Halbinsel Punta de n'Amer

Die Halbinsel Punta de n'Amer befindet sich in Sa Coma, in der Gemeinde Sant Llorenç des Cardassar, an der Nordostküste der Balearischen Insel Mallorca. Sie gehört zur Landschaftszone Comarca Llevant und liegt zwischen den Orten Cala Millor und Sa Coma.

Begrenzt wird die Halbinsel Punta de n'Amer im Norden von der Bucht Cala Nau, im Süden von dem Kap Sa Proa. Als Na Corbana Alta wird der östlichste Punkt der Halbinsel bezeichnet. Im Westen wird das Naturschutzgebiet durch die Straße Carrer des Baladres, die die Orte Cala Millor und Sa Coma verbindet, begrenzt.

Auf einem knapp 200 Ha großen Gebiet besteht die Halbinsel aus einem Naturschutzgebiet, das man auf vielen kleine Wegen erkunden kann. Sie befindet sich in Privatbesitz und wurde im Jahre 1985 zum Naturschutzgebiet erklärt. Seit Januar 1991 ist sie außerdem zum Naturschutzgebiet von besonderem Wert, Àrea natural d'Especial interès, deklariert worden, was bedeutet, daß dort heute nichts mehr gebaut werden darf. Somit stellt die Halbinsel Punta de n'Amer den einzigen Küstenabschnitt der Gemeinde Sant Llorenç des Cardassar dar, der nicht bebaut ist.

Die Landschaft der Halbinsel ist geprägt von Kiefernwäldern, die sich mit Dünen und Heide abwechseln. Weite Flächen des felsigen Küstengebietes werden von diesen Dünen eingenommen, die in früheren Zeiten einen großen Bereich an der nördlichen Bucht Badia de Son Servera eingenommen haben. Der Sand der Dünen wird hauptsächlich von den Wurzeln des dort wachsenden Phönizischen Wacholders gehalten, aber es wachsen dort auch Ginster, Mastixsträucher, Seidelbastgewächse, Rosmarin und Trichternarzissen.

Salzresistente Pflanzen, die mit wenig bis gar keiner Erde auskommen, wie der Strandflieder und der Meeresfenchel sind häufig direkt an der Küste zu finden.

Südlich der Bucht Cala Nau gab es noch vor einigen Jahren ein geschlossenes Waldgebiet, das bei einem Brand zum größten Teil zerstört wurde. Nur in Richtung des Ortes Sa Coma sind der westliche und südliche Teil des Waldes erhalten geblieben, wobei sich der vom Brand zerstörte Teil langsam wieder erholt und neue Kiefern wachsen. In den Teilen, die von dem Brand verschont worden sind, befinden sich viele verschiedene Orchideen, die unter strengem Naturschutz stehen.

Viele Tiere gibt es auf der Halbinsel nicht. Neben einigen Vögeln, gibt es noch Säugetiere, wie den Wanderigel, der von einer afrikanischen, und nicht von einer europäischen, Art abstammt.

Als Aussichtspunkt über die Bucht Badia de Son Servera dient der burgartige Wehrturm Castell de sa Punta de n'Amer, der im Jahre 1696 zum Schutz vor Piraten errichtet worden war. Er ist etwa 700 Meter von dem östlichsten Punkt der Halbinsel entfernt. In dem Castell befindet sich ein kleines Museum, das ebenso wie das Castell besucht werden kann. In einem Nebengebäude, das zu dem Castell gehört, befindet sich heute eine Gaststätte. Das Castell erreicht man über verschiedene Wanderwege oder per Fahrzeug über den östlichen Hauptweg.

Da die Küsten von Mallorca ständig den Angriffen von Piraten aus Nordafrika und anderen Seeräubern ausgesetzt waren, wies bereits im Jahre 1585 der Vizekönig Lluis Vich auf die Dringlichkeit der Errichtung eines Verteidigungsturmes hin. Nach weiteren Angriffen, besonders einem großen Angriff im Jahre 1611, wurde dann im Jahre 1617 vom damals für diese Region zuständigen Rat der Stadt Manacor der Bau eines Verteidigungsturmes an der Halbinsel Punta de n'Amer beschlossen. Allerdings konnte die Errichtung nicht realisiert werden, da das Geld für ein solches Vorhaben fehlte. So konnte erst viele Jahrzehnte später, im Jahre 1693, mit dem Bau begonnen werden. Auslöser dafür war, daß im Jahre 1688 einige Fischer und der Kapitän Capità de Muro bei Überfällen gefangen genommen worden waren und der Generalrat von Mallorca daraufhin die Errichtung des Turmes unterstützte.

Zum einen diente das Castell der direkten Verteidigung der Bewohner der Ostküste, aber er wurde auch als Melde- und Beobachtungsturm genutzt. Er gehörte zu dem großen Festungsnetz an den Küsten von Mallorca, das aus vielen Türmen bestand und auf denen dem Korps der Turmwächter eingesetzt war.

Nachdem die Überfälle ab Mitte des 19. Jahrhunderts abnahmen, ging der Turm bei einer Versteigerung in Privatbesitz über. Während des Spanischen Bürgerkriegs in den Jahren 1936 bis 1939 wurde der Verteidigungsturm als Vorratslager der Nationalisten und als Nachrichten-Standort genutzt. Bei der bekannten Schlacht um Mallorca im August 1936 besetzten republikanische Streitkräfte einige Teile der Ostküste, die sie jedoch kurze Zeit später wieder verlassen mußten. Die Bunkeranlagen, die noch an der Ostküste zu finden sind, stammen aus dieser Zeit. 
Das Castell wurde mit den ortstypischen Natursteinen Marès erbaut. Ein Steinbruch, in dem diese Steine zu finden sind, liegt etwa 450 Meter entfernt, zwischen dem südlichsten Punkt Sa Proa und dem Kap Clot d'en Rotger, direkt am Meer.

Weitere Bauwerke, die sich in dem Naturschutzgebiet befinden, sind das ehemalige Anwesen Cases de Sa Coma, das sich an der Straße Carrer de Baladres befindet, einige Bunker, die aus der Zeit des Spanischen Bürgerkriegs stammen, sowie die Hausruine von sa Caseta des Moix oder sa Caseta d'en Sagrera, die sich am südwestlichen Meeresrand befindet.

Eine frühgeschichtliche Wohnhöhle befindet sich an der Südostspitze der Halbinsel Punta de n'Amer, die Höhle sa Cova de ses Crestes. Die Höhle ist so angelegt worden, daß man sie vom Meer und vom Land aus betreten konnte. Eine weitere Höhle, die ebenfalls als Wohnhöhle genutzt wurde, ist die Höhle Cova de ses Pedreres. In beiden Höhlen wurden Keramiken gefunden, die auf eine Besiedlung aus der Zeit von etwa 1500 v. Chr. hinweisen.

Aber auch zu früheren Zeiten scheint die Halbinsel Punta de n'Amer, die immer ein strategisch wichtiger Ort gewesen ist, schon besiedelt gewesen zu sein. Darauf weisen Reste des Talaiot-Turmes Tancat de sa Torre, der sich etwa 350 Meter südwestlich des Castells befindet, hin.

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