Das Heiligtum Santuari de Santa Maria de Lluc

oder auch Santuari de Santa Maria de Lluch auf kastilisch, befindet sich im Gebirge der Serra de Tramuntana im Nordwesten der Balearischen Insel Mallorca. Es ist ein bekannter Wallfahrtsort und das spirituelle Zentrum der Insel. Es liegt auf einer Höhe von 525 Metern über dem Meer, in einem Talkessel, in der Gemeinde Escorca. Umgeben ist das Heiligtum von mehreren Bergen, die über 1.000 Meter hoch sind, darunter der Berg Puig de Massanella mit 1.365 Metern, der Berg Puig Tomir mit 1.104 Metern und dem Berg Puig Roig mit 1.003 Metern.

Das Santuari de Santa Maria de Lluc befindet wurde am Torrent de Lluc, oder auch Torrent d'Albarca genannt, errichtet, einem der typischen Sturzbäche von Mallorca. Östlich von Lluc am 771 Meter hohen Berg Puig Ferrer entspringt er, westlich des Santuari läuft er mit dem Torrent des Gorg Blau zusammen und wird zum Torrent de Pareis bis er an der Bucht Cala de Sa Calobra in Meer fließt.

Das Santuari de Lluc, wie es auch kurz genannt wird, befindet sich unmittelbar an dem Fernwanderweg GR 221, als Wanderunterkunft gibt es das Refugi de Son Amer.

Ein Santuari wird oft mit Kloster übersetzt, aber im eigentlichen Sinne bezeichnet das Wort Santuari ein Heiligtum, während man ein Kloster als Monestir bezeichnet. Die Santuaris werden nicht von Mönchen bewohnt, auch wenn sie von Patres verwaltet werden, das ist der Hauptunterschied.

Der Orden der Missionare vom Heiligsten Herzen Jesu, Missioners dels Sagrats Cors, verwaltet das Santuari seit dem Jahre 1891. Übergeben wurde das Priorat von Lluc durch Bischof Jacint Maria Cervera an Pater Joaquim Rosselló i Ferrá, den Gründer dieses mallorquinischen Ordenszweigs. Im Jahre 1910 wurde es dann endgültig mit Zustimmung des Heiligen Stuhls von Bischof Pere-Joan Campins, dem Nachfolger Cerveras, bestätigt.

Nahe des Eingangs des Hauptgebäudes befinden sich die Torhäuser, Porxets genannt, die im Jahre 1586 für Pilger und ihre Pferde erbaut worden sind. Im Jahre 1589, nur drei Jahre später, wurde der sternförmige Springbrunnen im Renaissance-Stil vor dem Eingang des Hauptgebäudes errichtet. Er befindet sich direkt auf der Plaça dels Pelegrins, dem Pilgerplatz, und diente in früheren Zeiten den Tieren als Tränke.

Zu Ehren des erst Prior Joaquim Rosselló wurde im Magnoliengarten Jardín de la Magnolia ein Denkmal errichtet. 
Im Jahre 1909 wurde von Joan Rubió i Bellver und Guillem Reinés durch Anregung des Architekten Antoni Gaudí fünf Skulpturengruppen entworfen. Sie wurden im Jahre 1913 fertiggestellt und zeigen die fünfzehn Mysterien des Rosenkranzes. Zu finden sind sie am Mysterienweg Camí dels Misteris, der zur Anhöhe des Pujol de la Trobada führt. Dort befinden sich auch Bronze-Reliefs des Bildhauers Josep Llimona i Bruguera.

In den verschiedenen Flügeln des Hauptgebäudes befinden sich ein Gymnasium mit Internat und historischem Archiv, eine Herberge, ein Museum, die Verwaltung der Gemeinde Escorca und die Wallfahrtskirche. Das historische Archiv Arxiu del Collegi de Lluc (ACL), das der Internatsschule Collegi de Lluc angeschlossen ist, verfügt über eine große Sammlung verschiedener Dokumente. Unter anderem befinden sich über 500 Schriftrollen und etwa 5.000 Arbeiten dort, die über die Geschichte dieses heiligen Ortes berichten, das älteste davon aus dem Jahre 1244.

Im Jahre 1622 wurde mit dem Bau der Renaissance-Kirche Eglésia de Lluc begonnen, im Jahre 1691 wurde sie fertiggestellt. Mit ihrem Grundriss in Form eines Kreuzes, ist sie wie eine Kreuzbasilika gebaut. Das zentrale Kirchenschiff verfügt über ein Tonnengewölbe und je drei Kapellen zu beiden Seiten. Das Kreuzzentrum wird von einer Kuppel beherrscht, in der sich Gemälde der zwölf Apostel befinden. Die Kuppel hat eine aufgesetzte Latern, durch die das Tageslicht ins Innere scheinen kann. Eine Rosette über dem Hauptportal, die im Inneren auf beiden Seiten durch Orgelpfeifen eingerahmt ist, dient als weitere Lichtquelle.

Im Jahre 1707 wurde die Kirche vom Erzherzog von Österreich König Karl III. zur Königlichen Kapelle ernannt, seit dem Jahre 1962 trägt sie den Ehrentitel Basilica de Lluc.

Vieles in dieser Kirche wurde mit Steinen errichtet, die aus der Nähe des Santuaris stammen. Das Langhaus ist fast 29 Meter lang und fast 7 Meter breit, am Querschiff ist die Kirche fast 14 Meter breit. Im barocken Stil mit goldenen Ornamenten ist der Innenraum und der Chor geschmückt. An den Wänden im Querschiff befinden sich auf der einen Seite Gemälde des Heiligen Sebastian und des Heiligen Franziskus, auf der anderen Seite hängen Bildnisse der Heiligen Teresa de Jesús und der Heiligen Catalina Tomàs.

Der Architekt Gaudí regte Anfang des 20. Jahrhunderts einen Ausbau des Inneren der Kirche an. Bei der Gestaltung im Stil des Neobarock lehnte man sich an den vorhandenen Altarraum an. Anschließend wurde die Kirche Eglésia de Lluc im Jahre 1914 von dem Bischof Pere-Joan Campins neu eingeweiht. Ihm zu Ehren befindet sich ein Denkmal vor dem Hauptportal der Kirche, das im Jahre 1920 dort aufgestellt wurde. Mit Ausnahme des Hauptportals, das aus dem 17. Jahrhundert stammt, wurde die gesamte Außenfassade der Kirche wenig später, im Jahre 1925, erneuert. Im Jahre 1962 wurde sie schließlich durch Papst Johannes XXIII. zur Basilica minor erklärt.

Auch der Hochaltar, der im Jahre 1684 eingeweiht wurde, ist mit viel Gold verziert. In seiner Mitte, an der Altarwand, die bereits aus dem Jahre 1629 stammt, befindet sich ein Gemälde von Mestre Jaume Blanquer, das die Gottesmutter von Lluc zeigt. Der Psalm 86 aus dem Buch der Psalme befindet sich über dem Altar und besagt: "Ihre Fundamente liegen auf den heiligen Hügeln".

Die Kirche Eglésia de Lluc beherbergt eine Schwarze Madonnenstatue, die die Schutzheilige von Mallorca, die Mare de Déu de Lluc, Gottesmutter von Lluc, darstellt. Von den Einheimischen wird sie oft nur sa Morenita, die Dunkelhäutige, genannt. Die Statue der Madonna ist aus dunklem Stein gefertigt und befindet sich in einer der hinteren Seitenkapellen. Sie steht in einer Nische hinter dem Hauptaltar erhöht auf einem Podest. In dem linken Arm hält die gotische Statue das Jesuskind, mit der rechten weist sie das Kind, das ein Buch auf seinen Armen trägt. Auf diesem Buch befinden sich die griechischen Buchstaben Alpha und Omega als Zeichen für Jesus Christus, denn Alpha und Omega stellen jeweils den ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets dar, und bezeichnet ihn somit als Ersten und Letzten. 
Im Namen von Papst Leo XIII. wurde die Marienstatue im Jahre 1884 durch Jaume Mateu, dem Bischof von Mallorca, gekrönt. Außerdem wurden der einst schlichten Marienstatue Edelsteine und das Buch in den Armen des Kindes hinzugefügt. Bei dieser großen Zeremonie waren etwa 12.000 Pilger anwesend.

Die ursprüngliche Statue der Mare de Déu de Lluc aus dem 13. Jahrhundert ging schon frühzeitig verloren. Die heutige Statue der Schwarzen Madonna wurde im Jahre 1520 durch den mallorquinischen Händler und Förderer des Santuari, Joan Amer, in Belgien gekauft und anschließend der Kirche geschenkt.

Der Name und die Gründung des Santuari de Santa Maria de Lluc gehen ebenfalls auf die Gottesmutter Mare de Déu de Lluc zurück. Laut der Legende soll kurz nach der christlichen Rückeroberung der Insel im Jahre 1229 der maurische Hirtenjunge Lluc die Statue gefunden haben (Lluc ist der katalanische Name für Lukas). Seine Eltern waren kurz vorher zum Christentum konvertiert und er fand eines nachmittags die Marienstatue am Ufer des Baches, der heute hinter der Sakristei verläuft, zwischen den Felsen. Sie wurde direkt am gleichen Tag in die Kapelle Sant Pere d'Escorca, in die Pfarrkirche von Escorca, gebracht. Allerdings war sie am nächsten Morgen nicht mehr in der Kapelle, sondern wieder an besagter Stelle am Ufer des Bachs. Obwohl sie zurück in die Kapelle gebracht wurde, wiederholte sich das Szenario am nächsten Tag aufs neue. Daraufhin beschloss der Pfarrer von Escorca die erste Kapelle des Santuari an dem Fundort der Maria bauen zu lassen.

Im Jahre 1230 wurde die erste Kapelle von Lluc fertiggestellt. König Jaume I. ließ sie später, im Jahre 1260, zur Einsiedelei Mare de Déu de Lluc erweitern. Die Kapelle Santa Maria de Lluc wurde das erste mal im Jahre 1268 im Testament des Ritters Valentí de Ses Torres erwähnt. Bereits in Dokumenten aus dem Jahre 1273 wird von vielen Pilgern berichtet, die den beschwerlichen Weg auf sich nahmen, um die Statue der Gottesmutter zu verehren.
Der Weg von Inca nach Lluc wurde Ende des 14. Jahrhundert ausgebaut, somit wurde ein Besuch der Heiligen Stätte erleichtert. Auf dem Weg befanden sich sieben Stelen, die zu Ehren der Jungfrau Maria errichtet worden waren. Diese Stein-Denkmäler waren von Llorenç Tosquella angefertigt und von Pere Merçol bemalt worden. Heute existieren nur noch zwei von ihnen, eine befindet sich auf dem Pilgerplatz, der Plaça dels Pelegrins, am Eingang des Hauptgebäudes.

Da die Heilige Maria von Lluc immer größere Popularität erlangte, wurde im 15. Jahrhundert die Verwaltung der Wallfahrtskirche geändert, seitdem wird sie von einem Priesterkollegium geführt. Die Kirche Església de Lluc wurde im Jahre 1456 von Papst Kalixt III. in eine Stiftskirche umgewandelt, da Tomàs de Tomàs, ein mallorquinischer Adliger, sich für die Errichtung eines Priesterseminars eingesetzt hatte.

Fast eine Million Besucher reisen jedes Jahr an diesen heiligen Ort, viele von ihnen sind Pilger. Jedes Jahr an ersten Samstag im August findet seit dem Jahre 1974 der Pilgermarsch Marxa des Güell a Lluc a peu statt, bei dem tausende Menschen von der Inselhauptstadt Palma zu Fuß nach Lluc pilgern, um der Marienstatue ihre Ehrerbietung zu demonstrieren. Die Entfernung von Palma bis Lluc beträgt 34 Kilometer Luftlinie, über die Straße sind es 48 Kilometer.
Überregionale Berühmtheit hat auch der Knabenchor Els Blauets des Santuari de Lluc erlangt. Der Knabenchor, der regelmäßig im Santuari auftritt, besteht aus Schülern der Internatsschule Collegi de Lluc. Den Namen Els Blauets, die Blauen, verdankt der Chor seinen blauen Soutanen, die sie bis heute tragen.

Seine Gründung geht auf die Jahre um 1450 zurück, allerdings geht man davon aus, daß die Ursprünge des Chors bereits im 13. Jahrhundert liegen. Im Jahre 1526 wurden während des Priorats von Monsignore Gabriel Vaquer Satzungen erlassen, die dann im Jahre 1532 in der Bulle Pastoralis officii von Papst Clemens VII. bestätigt wurden. Ein Teil dieser Satzungen besagt, daß die morgendliche Messe zu Ehren der Jungfrau Maria mit einem Chor sehr junger Knaben gefeiert werden soll.

In der ersten Etage des Santuari befindet sich das Museum, das eine sehenswerte Sammlung zu bieten hat und im Jahre 1954 eröffnet wurde. Es gibt verschiedene Kleidungsstücke, religiöse Gegenstände, Keramiken und Gemälde aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu sehen, sowie viele Fundstücke aus der Zeit des Talaiotikums. Zu den Gemälden zählt unter anderem eine Sammlung des Malers Joseo Coll i Bardolet, der seit dem Jahre 1940 in Valldemossa lebt und einen Teil seiner Werke dem Museum schenkte.

Viele Fundstücke in dem Museum stammen aus den Grabhöhlen Cometa des Morts, die sich in der Nähe des Santuari befinden. Sie stammen aus der Zeit der Talaiotikum-Kultur, einer Zeit bevor Mallorca zum Römischen Reich gehörte.
Zu den touristischen Einrichtungen des Santuari zählen die Gästezimmer und Apartments, die in den früheren Herbergszellen für Pilger eingerichtet worden sind. Außerdem gibt es als weitere Übernachtungsmöglichkeit in der Nähe der Quelle sa Font Coberta einen Campingplatz.

Eine weitere interessante Sehenswürdigkeit ist die Mehrfach-Sonnenuhr aus dem Jahre 1991, die an der südöstlichen Wand des Hauptgebäudes angebracht wurde. Mit einer Größe von 3,20 x 1,80 Meter stellen drei vertikale Platten aus Kunstsandstein fünf verschiedene Ziffernblätter dar. In der Mitte befindet sich ein Ziffernblatt für die die Wahre Ortszeit (WOZ), auf der rechten Seite befinden sich zwei Ziffernblätter für die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) und Mitteleuropäische Sommerzeit (MERZ), das Ziffernblatt rechts oben zeigt die Kanoniale Sonnenuhr für die Gebetszeiten und auf dem Ziffernblatt links unten werden die Babylonischen Stunden angezeigt. Konstruiert wurde diese Sonnenuhr von Professor Rafael Soler Gayá, der aus Mallorcas Hauptstadt Palma stammt. Die Gravur wurde von einer Werkstatt in Santanyí angefertigt.

Nordöstlich des Hauptgebäudes befindet sich der Botanische Garten Jardín Botánico de Lluc, der Im Jahre 1956 angelegt wurde.

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