Wegen Überfüllung geschlossen

„Lleno“, „completo“ oder ähnliche Schilder sind in der Zeit um Weihnachten und Neujahr immer öfter an den Türen von Restaurants und Bars zu sehen. Alle Plätze sind besetzt, weil die Unternehmen ihre traditionellen Weihnachtsfeiern veranstalten oder Gruppen von Freunden sich in den letzten Tagen des Jahres noch einmal treffen möchten.

In La Laguna auf Teneriffa hat man die Wirte in diesem Jahr mit einer wahren Reservierungswelle überrascht. Wie der Präsident der Asociación de Restauración, Ocio y Comercio de La Laguna (Aroco), einer Vereinigung von Geschäftsleuten der Branche, gestern mitteilte, sind die Tischreservierungen in den letzten beiden Wochen dieses Jahres um mehr als 70 % angestiegen. Besonders an den kommenden Wochenenden ist in der gesamten Stadt kaum noch ein freier Tisch zu finden. Diese Entwicklung ist umso erstaunlicher, als es in den Zeiten der Krise im Gegensatz zu früheren Jahren kaum noch Firmen gibt, die ihre Mitarbeiter zu einem Weihnachtsessen einladen. Heute sind es in der Regel die Kollegen selbst, die eine Zusammenkunft organisieren und ihre Menüs aus der eigenen Tasche bezahlen.

Günstige Preise gefragt

Auf Grund der geänderten Gepflogenheiten hat sich auch die Zusammenstellung der Weihnachtstafeln radikal geändert. Kamen bei einem solch festlichen Anlass vor Ausbruch der Krise ausschließlich ganz besondere Produkte auf den Tisch des Hauses, bleibt es heute meist bei den normalen Gerichten, die das ganze Jahr über zu bekommen sind. Edle Weine und teure Schinken- oder Wurstspezialitäten werden nur noch ganz vereinzelt geordert, was durchaus verständlich ist, da der Chef ja nicht mehr zahlt und auch die Weihnachtsgratifikationen und Boni in den meisten Fällen äußerst bescheiden ausfallen.

Trotzdem möchten sich die meisten Belegschaften das traditionelle Weihnachtsessen nicht nehmen lassen. Ob die Bosse bei den Feiern dann auch dabei sind, obwohl sie die Zeche nicht übernehmen, ist sicherlich von der allgemeinen Stimmung im Betrieb abhängig. Hat sich der Chef das Jahr über gut benommen, wird er bestimmt von seinen Angestellten auf die anstehende Weihnachtsfeier aufmerksam gemacht. Zahlen muss er natürlich selbst. Bei durchschnittlichen Preisen zwischen 16 und 20 Euro für ein komplettes mehrgängiges Menü sollte dies auch für die verlässlich klagenden Unternehmer zu stemmen sein.

Gäste kommen von der ganzen Insel

Wie der Präsident der Wirte in La Laguna erklärte, erfreuen sich die Bars und Restaurants der Stadt nicht nur in der eigenen Bevölkerung größter Beliebtheit, sondern auch bei Besuchern aus anderen Teilen der Insel, die durch die Tranvia, der einzigen Straßenbahn auf den Kanaren, mit der Hauptstadt Teneriffas, Santa Cruz, und eben auch mit der Nachbarstadt La Laguna verbunden sind. So endet der feuchtfröhliche Umtrunk nicht mit einer risikoreichen Heimfahrt im eigenen Auto, sondern bequem und sicher mit dem öffentlichen Nahverkehr, der nach Ansicht der Restaurantbetreiber in diesen Tagen besonders wichtig ist.

Wen es demnach in der lebendigen Universitätsstadt in nächster Zeit spontan nach einem Restaurantbesuch gelüstet, sollte sich also darauf einstellen, eine längere Odyssee auf sich nehmen zu müssen. Er kann aber immer darauf hoffen, dass ihm ein gnädiger Wirt trotz des begrenzten Platzes in seinem Etablissement Einlass gewährt und er nicht, wie einst die Herberge suchenden Eltern des Erlösers, auf einen Stall ausweichen muss.