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Waffen aus dem Arsenal der Marinebasis Las Palmas verschwunden

Wer am Dienstag die Marinebasis in Las Palmas verlassen wollte, der musste sich zuvor einer scharfen Kontrolle unterziehen. Grund dafür, dass die Posten nun ganz genau hinschauen, ist das Verschwinden von Waffen aus dem Arsenal der Basis. Wie bei einer Kontrolle der Bestände festgestellt wurde, fehlen mindestens zehn Pistolen im Bestand des Stützpunktes. Zur Zeit wird untersucht, ob es noch weitere Waffen gibt, die nicht mehr an dem dafür vorgesehenen Ort aufzufinden sind.

Beamte der Guardia Civil nahmen die Kontrollen am Ausgang des Geländes vor. Fahrzeuge und Personen wurden von ihnen genauestens untersucht, wenn sie den Stützpunkt verlassen wollten. Taschen und andere Behältnisse mussten sie ebenso öffnen, wie Kofferräume von Autos. Auch mögliche andere Verstecke in den Fahrzeugen haben sie eingehend inspiziert. Ausnahmslos alle Fahrzeuge auf dem Gelände hat man überprüft und ihre Kennzeichen notiert. Alle Angehörigen der Unidad de Seguridad de Canarias (USCAN), einer Elitetruppe der Marine, die das Fehlen der Waffen bemerkt hatten, hat man mit einer Ausgangssperre belegt. Diejenigen Soldaten, die sich derzeit im Urlaub befinden, hat man umgehend in die Kaserne zurückbeordert und müssen bis auf weiteres auf dem Stützpunkt bleiben. Alle verfügbaren Kräfte dieser Spezialeinheit hat man nun eingesetzt, um das Verschwinden der Pistolen aufzuklären. Diese Sondertruppe der Marineinfanterie ist zwar auf dem Gelände stationiert, ist jedoch nicht offizieller Bestandteil der Marinebasis.

Gesucht hat man bei den Kontrollen nicht nur nach den verschwundenen Waffen, sondern auch nach weiteren Hinweisen, die Aufschluss darüber geben können, wie und wohin das Material verschwunden ist. Fotos etwa, auf denen sensible sicherheitsrelevante Zonen des Arsenals abgebildet sind, wurden ebenso beschlagnahmt wie Lagepläne und andere Informationen, die die Sicherheit der Marinebasis gefährden könnten.

Keinerlei Hinweise auf einen Einbruch

Man geht davon aus, dass Soldaten oder Zivilangestellte der Marine für das Verschwinden der Pistolen verantwortlich sind, da es keinerlei Einbruchspuren gibt, die auf ein gewaltsames Eindringen in das Waffenlager hinweisen würden.

Die Delegierte der Kanarischen Regierung, María del Carmen Hernández Bento, bestätigte zwar die Vorgänge und das Fehlen der Waffen, wollte aber keine weiteren Informationen geben, um die noch andauernden Untersuchungen nicht zu gefährden. Die Öffentlichkeit erfuhr vom Verschwinden der Waffen und den anberaumten Untersuchungen durch einen kurzen Artikel in der lokalen Presse. Die Tageszeitung Canarias 7 hatte in ihrer Ausgabe vom Mittwoch über die Vorgänge berichtet.

Dass Waffen und sogar schweres Kriegsmaterial aus den Beständen von Armeen verschwinden, ist in der Vergangenheit immer mal wieder vorgekommen. Organisierte Banden und Terroristen haben bei Einbrüchen in Arsenale Waffen erbeutet, die dann später bei Anschlägen, Überfällen und Morden wieder aufgetaucht sind. Aber auch für einige Soldaten war der lukrative Handel mit den Waffen aus ihren Beständen zu verlockend, um den Versuchungen widerstehen zu können. Obwohl über das Material, bis hin zu jeder verschossenen Patrone, penibel Buch geführt werden muss, gelingt es findigen Angehörigen der Streitkräfte oder auch Zivilangestellten manchmal, Waffen verschwinden zu lassen und sie gewinnbringend zu veräußern. Wie der vorliegende Fall in Las Palmas zeigt, wird jedoch beim Bekanntwerden von Fehlbeständen schnell und gründlich reagiert. Sollten die skrupellosen Waffenhändler in den Reihen der Marine zu finden sein, würde dies nicht nur das Ende ihrer Karriere bedeuten. Auch ein längerer Aufenthalt hinter Gefängnis- statt Kasernenmauern wäre ihnen dann sicher.