Überfall mit Florentinerhut

Wer sich fremdes Eigentum widerrechtlich aneignen möchte, kann dabei viele unterschiedliche Methoden anwenden. Eine davon ist der Überfall auf eine Bank. Wobei die Gründung einer Bank, wie wir schon aus Brechts Dreigroschenoper wissen, das größere Verbrechen sein kann.

Ein Mann aus Las Palmas entschied sich für eine kleinere, wenn auch kaum weniger abscheuliche Untat. Er wollte an seiner verachtenswerten Absicht festhalten, andere um ihr hart verdientes Geld zu bringen. Der Entschluss, eine ganz besondere Art von Bank zu überfallen stand fest. Eine Spielbank, genauer gesagt, ein Spielsalon war sein Ziel. Ein geeignetes Objekt war bald in Gran Canarias Hauptstadt gefunden. In der Calle Triana gibt es einen Laden, in dem die Kunden zwar auch um ihr Geld gebracht werden, allerdings – im Gegensatz zu den Methoden der Banker – mit legalen Mitteln. Außerdem haben diejenigen, die sich mit den Automaten in dem kleinen Salon einlassen, auch noch Spaß dabei. Was bei einem Besuch in einer Bank eher selten der Fall ist.

Nun gut, das Objekt war gefunden. Doch der Besitzer war nicht bereit, sein Geld mit irgendwelchen Taugenichtsen zu teilen. Deshalb hatte er sein Geschäft mit Überwachungskameras versehen. Dieser Tatsache war sich der potentielle Räuber bewusst. Es galt also, sich so zu verkleiden, dass eine Identifizierung nicht möglich sein würde. Eine Karnevalsmaske erschien ihm außerhalb der Saison wohl zu auffällig. Eine Sturmhaube war wahrscheinlich nicht schick genug. Nun weiß man nicht, ob er den Drang, in Frauenkleidern in der Öffentlichkeit aufzutreten, schon länger in sich trug. Aber am vergangenen Sonntag wollte er diesem Verlangen endlich nachgeben und dabei eben auch gleich besagten Spielsalon um die Einnahmen zu erleichtern.

Gut getarnt zum Überfall

So betrat er denn gegen 22.15 Uhr das Lokal. Bekleidet mit einem riesigen Florentinerhut und einer ausladenden Sonnenbrille. Beides sollte vor den entlarvenden Aufzeichnungen der Kamera schützen. So begann er also, seinen verwerflichen Plan in die Tat umzusetzen. Er kümmerte sich nicht um seine einarmigen Kollegen, die hier an den Wänden hängen. Sondern er ging gleich durch zur Toilette des Etablissements. Nach kurzer Zeit kehrte er zurück. Er bat die Angestellte in ihrem kleinen, durch Sicherheitsglas geschützten Raum, ihm zu helfen, da ihm seine Schminke ins Waschbecken gefallen sei. Unglücklicherweise ließ sich die Aufsichtsdame vom Charme des Schurken beeindrucken. Sie verließ ihren sicheren Aussichtsposten, um das vermeintliche Malheur zu betrachten.

Damit kam das Drama zu seinem Höhepunkt. Der als Dame verkleidete Räuber zog unvermittelt einen Elektroschocker aus der Tasche. Damit attackierte er die verdutzte Helferin. Nachdem der Räuber die so Geschockte außer Gefecht gesetzt hatte, nutzte er die Gelegenheit und drang in das nun geöffnete Kassenhäuschen ein. Dort fiel ihm ein Betrag von 3.000 Euro in die schmutzigen Hände. Als die kurzzeitig paralysierte und mit leichten Verbrennungen geschädigte Spielhallenaufsicht die Kontrolle über ihren Körper wiedergewonnen hatte, war die falsche Dame bereits über alle Berge bzw. über die Fußgängerzone verschwunden. Wahrscheinlich trug sie dabei statt Pumps, die zu ihrem sonstigen Outfit gepasst hätten, eher spurtstarke Sportschuhe, um die Flucht nicht unnötig zu erschweren.

Die Angestellte des „Salón Recreativo“ wurde von den alarmierten Rettungskräften ins Krankenhaus gebracht, wo sie versorgt wurde. Nach einigen Stunden konnte sie das Hospital jedoch schon wieder verlassen.

Überwachungskamera schoss dennoch scharfe Bilder

Ob seine aufwändige Verkleidung dem Übeltäter tatsächlich helfen wird, unerkannt zu bleiben und ungestraft davonzukommen, hängt jetzt von der Ermittlungsarbeit der Polizei ab. Die Chancen stehen gar nicht so schlecht, dass das maskierte Model doch noch erwischt wird, denn die Überwachungskamera hat messerscharfe Aufnahmen gemacht, die durchaus Hinweise zur Identität des Täters liefern könnten. Am Ende wird es vielleicht doch noch möglich sein, dem Verbrechen die Maske vom hässlichen Gesicht zu reißen. Ob dann die Strafe auf dem Fuße folgen wird, ist dennoch fraglich. Denn auch die Banker, die unmaskiert zu Werke gehen, bleiben ja nicht selten ungestraft, sondern werden viel mehr mit dicken Boni abgefunden, damit sie in ihrer Not keine Spielsalons überfallen müssen.