Spanien und Portugal streiten um die Gewässer der „Wilden Inseln“

Kaum jemand hat je von ihnen gehört, die Islas Salvajes liegen etwa 165 Kilometer nördlich von Teneriffa und ca. 280 Kilometer von der portugiesischen Insel Madeira entfernt. Drei etwas größere und 18 Miniinseln bilden einen Archipel, der auf den ersten Blick nicht besonders viel zu bieten hat. Es gibt kein Süßwasser, einige der wilden Eilande sind wegen der sie umgebenden Riffe nicht mal mit einem Boot zu erreichen, und eine Bevölkerung im eigentlichen Sinne gibt es auch nicht. Genau darum aber geht es in dem diplomatischen Gerangel zwischen Portugal und Spanien.

Portugal erwarb die Inseln 1971

Dass die Inselchen staatsrechtlich zu Portugal gehören, ist unbestritten. Die iberischen Nachbarn haben die Felsen 1971 von den Erben des Bankiers Luis da Rocha Machado erworben, der sie seinerseits 1904 von der Familie Caiado gekauft hatte, die die unwirtlichen Flecken seit dem 16. Jahrhundert verwaltet hatte. Zuvor hat man bereits ein Vorvertag mit dem WWF geschlossen, der ebenfalls an den weitgehend unberührten Inseln interessiert war. Diesen Vertrag hat man jedoch auf Drängen der portugiesischen Regierung rückgängig gemacht.

Noch im gleichen Jahre machten die Portugiesen das Gebiet zu ihrem ersten Naturschutzreservat überhaupt. Besonders auf zwei der größeren Inseln, der Selvagem Pequena und der Ilhéu de Fora, gibt es eine einzigartige endemische Pflanzenwelt, da es hier niemals pflanzenfressende Tiere gegeben hat. Die wichtigsten Bewohner dieser Felsen mitten in der Wasserwüste des Atlantiks sind jedoch die zahlreichen Seevögel, welche von einigen wenigen Naturschützern bewacht sind, die in einem dreiwöchigen Turnus ihren Dienst auf den Inseln versehen.

Diese zugegebenermaßen recht bescheidene Bevölkerung macht die Inseln in den Augen der portugiesischen Regierung jedoch zu einem bewohnten Archipel, was weitreichende völkerrechtliche Konsequenzen hat, die wiederum von der spanischen Regierung so nicht hingenommen werden wollen.

Streit um Nutzungsrechte

Bei dem Streit geht es um die Nutzungsrechte der die Inseln umgebenden Gewässer. Nach internationalem Recht hat jede Nation das Recht, die Gewässer rund um eine Insel in einer Zone von 12 Meilen auszubeuten. Ist eine Insel bewohnt und von wirtschaftlicher Bedeutung, so erweitert sich diese Zone auf 200 Meilen. Im Falle der Islas Salvajes reduziert sich diese Grenze jedoch, da die Kanarischen Inseln nur 165 Kilometer entfernt liegen.

Alle paar Jahre entbrennt nun zwischen den iberischen Brüdern eine Kontroverse darüber, ob diese 200 Meilen-Grenze bei den Ilhas Selvagens, wie sie in der Landessprache heißen, überhaupt berechtigt ist. Während die Portugiesen die Insel- und Vogelwächter als eigenständige Bevölkerung ansehen und die Bedeutung der Inseln für einen in der Zukunft vielleicht möglichen Ökotourismus betonen, sehen das die Spanier ganz anders. Sie betrachten die schroffen Inseln als unbewohnt und verneinen jegliche wirtschaftliche Bedeutung. Folgt man dieser Auffassung, würde die Schutzzone lediglich 12 Meilen betragen. Mit diplomatischen Noten und Briefen an die UNO wird das Thema immer mal wieder ins Gespräch gebracht. Und so wird auch aktuell wieder darüber verhandelt, ob die kanarischen Fischer zu Recht ihre Netze in den Gewässern rund um den abgelegenen Archipel auswerfen oder ob sie sich hier der Wilderei in portugiesischen Gefilden schuldig machen.

Wie auch immer der Streit irgendwann mal ausgehen wird, ein Konflikt wie zwischen Argentinien und Großbritannien um die Falklandinseln ist hier so schnell nicht zu befürchten, schließlich gibt’s auf den „wilden Inseln“ auch keine Schafe, sondern nur Tölpel und ihre Wärter.

Innerhalb des gelben Kreises befinden sich die Inseln

Innerhalb des gelben Kreises befinden sich die Inseln