SOS La Palma

Das einzig Positive an derart schwierigen Zeiten, wie sie uns die weltweite Finanzkrise beschert ist wohl, dass die Menschen wieder näher zusammen rücken. Man hilft sich untereinander, wo man kann. Die hochspekulativen Geschäfte der Grossbanken haben viele Länder in massive Probleme gestürzt. Auch Spanien, die viertgrösste Volkswirtschaft der EU ist davon betroffen. Das Land hat die grösste Zahl an Arbeitslosen in der Europäischen Union.

Seitdem Spanien in den Strudel der Bankenpleiten geraten ist, hat sich die Lebenssituation vieler Menschen dort massiv verschlechtert. Mehrere 100.000 Wohnungen wurden seit dem Ausbruch der Krise zwangsgeräumt. Für einige Menschen scheint die Lage derart ausweglos, dass die Selbstmordrate im Land rapide angestiegen ist. Die Verzweifelten eint das gleiche Schicksal, hohe Verschuldung, Arbeitslosigkeit und die Zwangsversteigerung ihrer Wohnung.

Schuld an dieser Misäre waren in den meissten Fällen die verlockenden, billigen Kredite für Immobilienfinanzierungen. Denn 98% der Kredite hat man geschlossen, ohne eine feste Rückzahlungsrate zu vereinbaren. So war es den Banken möglich, die Raten völlig flexibel zu halten und nach belieben jederzeit zu korrigieren. Was sie auch taten, als die Hauspreise in den Keller fielen.

Den wenigsten Bürgern war dieses Risiko bewusst und so konnten viele die “angepassten” Raten, die zum Teil plötzlich höher als ihr monatliches Einkommen waren, nicht mehr bedienen und standen plötzlich vor der Zwangsräumung. Doch damit nicht genug, denn die Kreditnehmer haben auch danach noch weiterhin finanzielle Belastungen. Da die Banken entstandene Wertverluste in Rechnung stellen dürfen.

So sehen sich viele Menschen nicht nur ohne Einkommen, sondern dazu noch vor einem Haufen Schulden und so mancher weiss nicht mehr, wie er seine Familie ernähren soll.

Der Verein “SOS La Palma” möchte Bedürftigen helfen

Bildschirmfoto 2013-08-17 um 17.43.31Die Kanarischen Inseln sind durch ihre exponierte Lage noch massiver von der Krise betroffen, als das Festland. Hier gibt es keinerlei Grossindustrie. Die Inseln sind auf Zuwendungen vom Festland angewiesen, doch diese hat man durch die finanzielle Schieflage des Landes ebenfalls drastisch gekürzt bis gänzlich gestrichen. Seitdem der Bausektor zusammenbrach, sind viele Familien ohne Einkommen. Das Arbeitslosengeld ist in Spanien zeitlich befristet und auch andere Sozialleistungen sind nicht dauerhaft gezahlt.

Die Gründungsmitglieder des Vereins “SOS La Palma” sind zum grössten Teil auf La Palma lebende Ausländer verschiedener Nationalitäten. Mit ihrer Hilfe über den Verein wollen sie ihre Dankbarkeit für die entgegengebrachte Gastfreundschaft zum Ausdruck bringen. Der Verein sammelt Spenden und übergibt diese dann an hiesige Hilfsorganisationen und Sozialdienste, da die zweckmässige Verteilung so effizienter koordiniert werden kann.

Zur Zeit beschränkt man sich noch auf das Sammlen von Geldspenden. Für die Zukunft ist jedoch auch denkbar, Sachspenden zu sammeln. Dies sollte laut Verein jedoch vorab geplant und speziell organisiert.

Wer sich engagieren möchte und in Form einer Mitgliedschaft regelmässig helfen will, der findet auf der Webseite von „SOS La Palma“  www.soslapalma.com ein entsprechendes Formular und alle notwendigen Informationen. Aber auch einmalige Zahlungen helfen den Menschen. Das Spendenkonto dazu findet man ebenfalls auf der Internetseite von „SOS La Palma“.

Die Hintergründe der Krise

Seitdem 2007 auch in Spanien die Immobilienblase platzte, geriet die Wirtschaft in eine Rezession und die Arbeitslosigkeit stieg rapide an. Die damalige Regierung Zapatero beschloss darauf mehrere Konjunkturprogramme, um die Wrtschaft anzukurbeln Der Mindestlohn wurde erhöht und Steuern an Geringverdiener und Rentner zurückgezahlt. 2009 sollte die Vermögenssteuer abgeschafft werden. Noch 2008 wurde für Rentner, Arbeitslose und Selbständige ohne Einkünfte ein zweijähriger Aufschub für 50% ihrer Hÿpothekenzahlungen beschlossen.2009 verabschiedete man unter Zapatero den “Plan E”, den spanieschen Plan zur Anregung der Wirtschaft und Beschäftigung und so flossen viele Milliarden Euro in das grösste Konjunkturprogramm der EU.

Doch all diese Massnahmen halfen dem Land nicht, seine strukturellen Probleme zu beseitigen. Die Staatverschuldung stieg weiter und so leitete die EU-Kommision schliesslich ein Defizitverfahren gegen Spanien ein. In Folge brachte Madrid 2010 einen strengen Sparplan auf den Weg. Man erhoffte sich so, die von der EU vorgegebene Schwelle von 3% der Neuverschuldung bis 2013 wieder einhalten zu können.”

2011 trat dann nach den vorgezogenen Neuwahlen das Kabinett Rajoy von der PP an die Spitze des Landes und verschärfte den massiven Sparplan abermals. 2012 gab es erste Massenproteste gegen die drastischen Kürzungen.Schliesslich sah sich Spanien noch im selben Jahr gezwungen, unter den EU-Rettungsschirm zu klettern.

Von EU und IWF geforderte Arbeitsmarktreformen

Die Europäische Kommision und der IWF drängten Spanien zur Reformierung ihres Arbeitsmarktes.Die neuen Reformen lockerten den Kündigungsschutz, obwohl Spanien mit 25 % bereits den grössten Anteil an befristeten Beschäftigungsverhältnissen in der gesamten EU-Zone hatte.

Nach deutschen Vorbild sollte die Möglichkeit der Kurzarbeit entstehen und die Beschäftigung von Jugendlichen und Azubis stärker mit Vergünstigungen gefördert werden. Zudem wurde dem Land 2012 durch den IWF nahegelegt, die Gehälter weiter zu senken.

Die spanischen Bürger sehen sich mit den grössten Sparmassnahmen seit der Franko-Herrschaft konfrontiert und ein Ende ist nicht in Sicht.