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Roque Nublo-Seilbahn wird nicht gebaut

Gebirge auf Gran Canaria

Lange hat man darüber diskutiert. Man hat Pläne vorgelegt, verändert und jahrelang wieder eingestampft. Vor einigen Wochen setzte man das Thema erneut auf die politische Tagesordnung. Jetzt entschied die Inselregierung über das endgültige Aus für eine Seilbahn auf das Wahrzeichen Gran Canarias, den Roque Nublo.

Befürworter und Gegner des Projektes gab es zunächst in allen Fraktionen des Regionalparlaments. Auch wenn der erneute Vorschlag für den Bau und die Debatte darüber von der konservativen Partido Popular ausgegangen war, gab es jedoch auch in ihren Reihen von Anfang an erhebliche Bedenken gegen die Seilbahn. Zum endgültigen Ende des Vorhabens führte nun eine Initiative, die von oppositionellen linken Parlamentariern der PSC-PSOE gegründet ist.

Umweltschutz gab den Ausschlag

Studien belegen den massiven Eingriff eines solchen Megaprojektes in das empfindliche Ökosystem. Gleichzeitig stärken sie die Position derer, die den Umweltschutz vor den Profit setzen. Nach heftigen Debatten konnten die Naturschützer scheinbar am Ende auch die Mehrheit der konservativen Politiker von ihren Bedenken überzeugen. Bis gestern konnte man das noch nicht wirklich glauben. Zumindest, wenn man den Lautsprechern der Partido Popular zuhörte, die das Bauprojekt bis zum Schluss unterstützt haben. Für Verwirrung sorgten auch Stimmen, die aus dem Büro des Patronato de Turismo zu vernehmen waren. Mal gab es Bedenken, dann uneingeschränkte Zustimmung, eine klare Linie war nicht zu erkennen. Sodass nicht wirklich deutlich war, ob die für den Tourismus verantwortlichen Stellen pro oder kontra das Projekt votieren würden.

Die umfassenden und fundierten Ergebnisse einer durch Experten verschiedener Disziplinen erstellten Studie untermauerten nun die Bedenken. Die nicht nur bei bekannten Umweltschützern, sondern auch bei zahlreichen anderen Persönlichkeiten bestehen. Persönlichkeiten, die nicht im Verdacht stehen, ein profitables Geschäft auszuschlagen, aufgrund von Tierschutz. Die befürchteten Eingriffe müssen also schon von erheblichem Charakter sein, wenn sich auch die Vertreter wirtschaftlicher Interessen jetzt gegen den Bau aussprechen.

Öffentliche Diskussionen notwendig, aber nicht immer hilfreich

Einen größeren Schaden als die Tatsache, dass die Seilbahn auf das Wahrzeichen Gran Canarias am Ende nun doch nicht gebaut wird, sehen viele Beobachter darin, dass die öffentliche Diskussion so unmoderiert und chaotisch abgelaufen ist. Ständig gab es neue Meinungen, Meldungen, Unterstützer, Gegner und vorgebliche Beschlüsse, die dann wieder dementiert wurden. Die Unsicherheit, durch eine derart unkoordinierte Öffentlichkeitsarbeit, kann den Eindruck verstärken, dass es keine Sicherheit für Investitionen gibt. Sicherheit, die gerade in den schwierigen Zeiten der Krise so dringend notwendig ist.

Das ständige Hin und Her und der Eindruck, dass es sich bei den unterschiedlichsten Wortmeldungen um offizielle Verlautbarungen handelt, sind nicht dazu angetan, potenzielle Geldgeber für neue Projekte anzulocken. Zu beobachten war diese nicht vorhandene Strategie auch bei anderen Bauvorhaben. Ein Beispiel ist der Abriss und Neubau des Hotels Riu Oasis Maspalomas. Es bleibt zu hoffen, dass man in Zukunft wichtige Investitionen zunächst einmal eingehend prüft. Erst dann kann eine große öffentliche Diskussion beginnen, die durch die Kakophonie der Stimmen, die sich als offizielle Statements präsentieren, jeden Investor abschrecken wird. Denn er kann sich nicht sicher sein, ob seine Planungen, die mit hohen Kosten verbunden sind, auch wirklich durchgesetzt werden. Nur wenn die eingesetzten Gelder die notwendige Rendite sicher einfahren, werden auch in Zukunft auf Gran Canaria Visionen Realität. Dass der Umweltschutz dabei eine bestimmende Rolle spielen muss, ist ebenso unbestritten wie die Notwendigkeit einer breiten aber strukturierten öffentlichen Diskussion.