Repsol will nur bei Erfolg weitere Probebohrungen vornehmen

Der spanische Ölkonzern Repsol, der in den nächsten Monaten mit der ersten Probebohrung in den kanarischen Gewässern vor Lanzarote und Fuerteventura beginnen will, hat angekündigt, nur dann weitere Bohrungen an anderen Standorten der Region vornehmen zu wollen, wenn die erste Sondierung erfolgreich ist. Damit zieht das Unternehmen scheinbar Konsequenzen aus den enttäuschenden Ergebnissen der Ölsuche von Cairn Energy und Genel, die auf dem Gebiet vor der marokkanischen Küste in großer Tiefe zwar Öl gefunden haben, aber feststellen mussten, dass die vorhandene Qualität eine gewinnbringende Vermarktung nicht zulässt. Das Schweröl, das man nur etwa 20 Kilometer entfernt von den Feldern entdeckt hat, auf denen Repsol bohren will, müsste man in verschiedenen, äußerst komplizierten und teuren Prozessen aufarbeiten, sodass ein marktgerechter Preis kaum zu realisieren wäre.

Ergebnisse aus dem Jahr 1968 wurden bestätigt

Schon 1968 hat man auf dem Ölfeld, das man heute Juby Maritime I nennt, nach Öl gesucht, und man war zu dem gleichen Ergebnis gekommen, wie nun zu Beginn dieses Jahres: zu schlechte Qualität, zu hohe Kosten.

Damals jedoch waren die technischen Möglichkeiten noch beschränkter. Bohrungen in den Tiefen, die heute möglich sind, waren Ende der 60er Jahre noch undenkbar. Allerdings ist das in tieferen Schichten vorhandene Öl, das man nun entdeckt hat, von ebenso schlechter Qualität wie das damals gefundene. Trotz modernerer Raffinierungstechniken ist eine ökonomisch sinnvolle Ausbeute auch heute noch nicht möglich.

Repsol hat aus den negativen Erfahrungen der Konkurrenz nun wohl seine eigenen Schlüsse gezogen und will auf die tiefsten und damit teuersten Bohrungen verzichten, wenn die erste Suche nach dem schwarzen Gold in höheren Schichten auf kanarischem Gebiet ein ähnliches Resultat hervorbringt, wie das der Kollegen von Cairn Energy in Marokko. Maximal 3.092 Meter sollen die Experten auf dem Sandia genannten Ölfeld in den Meeresboden eindringen, um nach dem Rohstoff zu forschen. Nur wenn man dort erfolgreich ist, sollen auch die weitaus kostenintensiveren Bohrungen im Gebiet Zanahoria durchgeführt werden. Dort würde man bis in eine Tiefe von 6.870 Metern vorstoßen. Die Kosten, die der Ölmulti für die geplanten Bohrungen vor Lanzarote und Fuerteventura veranschlagt hat, betragen etwa 260 Millionen Euro.

Befürworter auf Werbetour

Um für das Prestigeprojekt von Industrieminister José Manuel Soria zu werben, hatte die Regierungsbehörde in die Hauptstadt geladen. Bei einem Treffen von Mitarbeitern des Ministeriums für Industrie, Energie und Tourismus mit hochrangigen Vertretern der kanarischen Presse am vergangenen Mittwoch in Madrid erläuterten die Beamten die Sicherheitsmaßnahmen, die man zum Schutz von Mensch und Natur während der Bohrarbeiten treffen soll. Auf die strenge Überwachung zur Einhaltung der Vorschriften und Gesetze legt die Regierung besonderer Wert, so die Vertreter des Ministeriums. Dass es mit der Überwachung aber längst nicht immer zum Besten bestellt ist, hat sich erst in der vergangenen Woche wieder gezeigt, als es der Besatzung eines Schiffes gelungen war, seine Tanks vor der Küste Gran Canarias illegal zu säubern ohne, dass man sie dabei entdeckt hat. Die Folgen waren tagelang am ölverseuchten Strand von El Cabrón ziemlich deutlich zu sehen.

Ob Repsol tatsächlich auf die genehmigten Bohrungen in großer Tiefe verzichtet, wird sich zeigen. Zunächst einmal sind Unternehmensvertreter in dieser Woche auf den Kanarischen Inseln erneut unterwegs gewesen, um für ihr Projekt zu werben. Die Stimmung auf den Kanaren ist jedoch recht eindeutig gegen die Bohrungen gerichtet. Ob die jetzigen Versicherungen und Ankündigungen daran etwas ändern werden, ist deshalb äußerst fraglich. Zu oft schon sind ähnliche Versprechungen der Ölindustrie nicht eingehalten worden. Das Vertrauen in die Unternehmen und die sie unterstützenden Politiker ist deshalb nicht besonders ausgeprägt.

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