Reiseveranstalter brauchen mehr Betten auf den Kanaren

Was sich bereits vor einiger Zeit in Umrissen abgezeichnet hatte, fordern Reiseveranstalter jetzt konkret. Wegen der unsicheren politischen Lage in Ägypten und in der Türkei wollen die Unternehmen ihr Angebot für den nächsten Winter umgestalten. Momentan ist nicht abzusehen, wie sich die politische und damit auch die Sicherheitslage in diesen beiden Ländern entwickeln wird. Deshalb bitten die Reiseveranstalter die Hoteliers auf den Kanarischen Inseln zu prüfen, in wie weit das Angebot auf dem Archipel in der kommenden Wintersaison aufgestockt werden kann.

Die Kanarischen Inseln gelten seit jeher als klassisches Urlaubsziel in den Wintermonaten. Mit den angenehmen Temperaturen konnten die Inseln immer schon besonders im Winterhalbjahr punkten. Nur wenige andere Urlaubsziele liegen mit Flugzeiten von 4 bis 5 Stunden ähnlich nah an den Ländern, aus denen die meisten Touristen auf dem Archipel stammen. Ägypten war schon immer ein wichtiger Konkurrent im Kampf um die Gunst der Winterurlauber. Auch hier, besonders am Roten Meer auf der Halbinsel des Sinai, sind ähnliche klimatische Voraussetzungen wie auf den kanarischen Inseln zu finden.

Doch nach den letzten Entwicklungen im Land der Pharaonen kommen den Reiseveranstaltern immer mehr Zweifel. Ob sie auch in der kommenden Saison noch ruhigen Gewissens ihre Kunden nach Hurghada und Sharm el Sheik schicken können, ist unklar. Die Angst vor weiteren Unruhen und die damit verbundenen Stornierungen von bereits gebuchten Reisen haben zum Umdenken geführt.

Unruhen in beliebten Reiseländern

2011 wurden die Urlaubsanbieter vom sogenannten Arabischen Frühling kalt erwischt. Damals hatten sie mit zahlreichen Umbuchungen und damit einhergehenden Engpässen zu kämpfen. Nun möchten sie besser vorbereitet sein, falls es in den anderen Winterzielen zu ernsthaften Störungen kommen sollte. Bislang sind die Touristengebiete in Ägypten noch nicht von Unruhen betroffen. Sie beschränken sich in erster Linie auf die großen Städte. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi radikalisieren und Anschläge auf Touristen verüben werden. So könnten sie die wirtschaftliche Basis des Landes nachhaltig schädigen. Eine weitere Destabilisierung des Landes wäre die Folge.

Die Türkei ist zwar kein ausgewiesenes Winterziel, steht aber trotzdem mit den Kanarischen Inseln im Wettbewerb. Hier ist es nicht auszuschließen, dass die Proteste gegen den Sultan von Istanbul, Staatschef Recep Tayyip Erdogan, erneut an Fahrt aufnehmen und die Touristen deswegen nach Alternativen suchen.

Diesmal wollen die Reiseveranstalter auf eventuelle Ereignisse vorbereitet sein. Deshalb haben sie nun an verschiedene Hotelketten auf den Kanarischen Inseln Anfragen geschickt, in denen darum gebeten wird zu prüfen, in welcher Anzahl zusätzliche Bettenkapazitäten angeboten werden können. Die Belegungszahlen der Hotels sind allerdings in diesem Jahr schon in den sonst eher ruhigen Sommermonaten in erstaunliche Höhen gestiegen. Die Gruppe Lopesan etwa meldet für ihre Hotels Auslastungen von mehr als 95 % in den Monaten Juli und August. Aber auch andere Beherbergungsunternehmen wie Dunas oder Cordial sind bislang mit der aktuellen Buchungslage sehr zufrieden.

Buchungsengpässe sind möglich

So könnte es tatsächlich sein, dass es im Winter durchaus zu Buchungsengpässen kommt. Wer da nicht rechtzeitig Kontakt mit den Hoteliers auf den Kanarischen Inseln aufnimmt, könnte dann am Ende leer ausgehen. Die Veranstalter aus den skandinavischen Ländern sind nun vorgeprescht, um sich größere Kontingente zu sichern. Doch auch die Unternehmen aus Deutschland und Großbritannien, den Ländern, die gemeinhin den größten Anteil an Touristen auf den Kanaren stellen, werden sich schon Gedanken über einen Plan B machen, wenn die Sicherheitslage an den Alternativzielen sich weiterhin verschlechtert. Die Hoteliers auf dem Archipel wird es freuen. Das Mitleid mit den Kollegen aus den unruhigen Ländern wird wahrscheinlich nicht besonders ausgeprägt sein. Doch dies würde niemand in der Öffentlichkeit so zugeben.