Rabattschlacht eröffnet

In früheren Zeiten gab es zweimal im Jahr einen Termin, den Sparfüchse sich stets rot im Kalender markierten. Angefangen mit dem Sommerschlussverkauf, gefolgt vom Winterschlussverkauf. An diesen Tagen versammelten sich die Schnäppchenjäger schon lange vor Geschäftsbeginn vor den Toren der Konsumtempel. Sobald sich die Pforten öffneten begann der Kampf um die besten Angebote.

Seit wir aber das ganze Jahr über mit Sonderverkäufen, die nur noch als „Sale“ bezeichnet werden, zum Kaufen animiert werden, haben diese fixen Termine ihre Bedeutung verloren. Ob Summer-, Winter-, Midseason- oder sonst wie Sale, irgendwie ist das ganze Jahr über Schlussverkauf. Da fragt man sich mitleidig, wann die verzweifelten Handelskonzerne ihre Waren noch zu den regulären Preisen unter das Volk bringen können. Doch allzu große Sorgen müssen wir uns nicht machen. Die Modehäuser und Handelsketten verdienen glänzend und haben kaum Anlass zur Klage. Zumindest ist das in Deutschland so. In Spanien und eben auch auf den Kanarischen Inseln sieht das jedoch ganz anders aus.

Rebajas vom 1. Juli bis 31. August

Hier gibt es sie noch, die berühmten „Rebajas“. Sie beginnen genau heute, am 1. Juli. Von jetzt an bis zum 31. August können die Einzelhändler ihre Lager leeren und Platz schaffen für die neuen Kollektionen. Nach einer katastrophalen Saison gehen sie nun zum Angriff über. Besonders die kleineren Händler beklagen den äußerst schleppenden Geschäftsverlauf der vergangenen Monate. Auf Grund der fehlenden finanziellen Möglichkeiten der Bevölkerung sind ihre Geschäfte schlecht gelaufen. Viele von ihnen befürchten, das letzte Mal die Plakate mit den Preisreduzierungen ausgehängt zu haben.

Mit kleineren Rabattschlachten haben sie schon in den letzten Monaten versucht, den Konsum anzukurbeln. Allerdings waren die Erfolge bescheiden. Deshalb starten sie jetzt mit dem offiziellen Beginn der Schnäppchensaison den Großangriff auf die Geldbörsen ihrer Kunden. Schon in den ersten Tagen werden sie mit Preisreduzierungen von bis zu 70 % in den Markt gehen.

Wunder erwartet aber niemand. Leider hat sich an der ökonomischen Misere der privaten Haushalte nichts geändert. Wer kein Geld hat, kann sich das neue Kleid auch dann nicht leisten, wenn es statt 100 Euro nur noch 30 kostet. Die Geschäftsinhaber gehen davon aus, dass auch während der Rebajas nur die wirklich notwendigen Käufe getätigt werden. Viele Menschen auf den Kanarischen Inseln befinden sich in einer finanziellen Notlage. Manchmal reicht das Geld noch nicht einmal aus, um die grundlegenden Lebenshaltungskosten zu decken. Sonderwünsche sind da einfach nicht drin. Das wissen auch die Einzelhändler, die deshalb mit sehr verhaltenem Optimismus in die Preisreduzierungsphase starten.

Kontrolleure unterwegs

Da das Überleben in diesen schwierigen Zeiten wahrlich nicht leicht ist, könnte so mancher Händler geneigt sein, Maßnahmen zu ergreifen, die nicht mit den bestehenden Regeln in Einklang zu bringen sind. Jeder Vorteil gegenüber dem Mitbewerber kann entscheidend sein. Dass dabei die Fairness und die Transparenz manchmal auf der Strecke bleiben, ist nicht immer auszuschließen. Damit die Regelverstöße aber die Ausnahme bleiben, sind jeden Tag zwischen 30 und 40 Inspekteure der Dirección General de Comercio y Consumo in den Fußgängerzonen und Shoppingmalls auf den Kanarischen Inseln unterwegs. Da werden etwa unkorrekte Preisschilder, die immer den ursprünglichen und den reduzierten Preis ausweisen müssen, beanstandet oder der angebliche Ausschluss vom Umtauschrecht von reduzierten Waren.

Auch während der Rebajas gelten die Konsumentenschutzgesetze in vollem Umfang. Wenn einem Kunden diese verwehrt werden, sollte er sich umgehend an die Verbraucherschutzorganisationen oder die Gewerbeaufsicht wenden und das unrechtmäßige Handeln dort anzeigen. Allgemein jedoch, so der Chef der Kontrollbehörde, Gustavo Matos, hält sich die Zahl der schwarzen Schafe in erfreulich niedrigen Grenzen. Meist sind es kleinere Verstöße, wie etwa das verbotene Überkleben der alten Preise, die von den Fahndern beanstandet werden.

Unterstützung für kleine Händler

Zuletzt äußerte auch der Präsident des Einzelhandelsverbandes, Antonio Luis González Núñez, noch eine Bitte an die Kunden auf den Kanaren. Er rief dazu auf, bei den kleineren Händlern zu kaufen, damit diese die Chance haben, im harten Wettbewerb mit den großen Handelsketten zu bestehen. Ohne die kleinen Boutiquen und Fachgeschäfte würde die Angebotsvielfalt leiden, und es wäre doch wirklich schade, wenn wir alle nur noch die genormte Ware der großen Ketten kaufen könnten, so der Verbandsvorsitzende. Wo er Recht hat, hat er Recht.