Puerto del Carmen wird hübsch gemacht

Einst war es ein kleines Fischerdorf, heute ist es der bedeutendste Urlaubsort auf der wahrscheinlich eigenwilligsten der kanarischen Inseln. Puerto del Carmen in der Gemeinde Tías hat in den vergangenen Jahrzehnten einen Wandel durchgemacht, der vom großen Wachstum im Tourismussektor bestimmt war. Bausünden aus dieser Zeit tragen heute dazu bei, dass viel vom Charme der Vergangenheit verloren gegangen ist. Der große Sohn der Insel, der Architekt und Umweltschützer César Manrique, hat bis zu seinem Lebensende viel getan, um notwendige Bauten harmonisch in diese einzigartige Vulkanlandschaft zu integrieren. Nicht immer und überall konnte er jedoch Entwicklungen verhindern, bei denen der Kommerz über die Ästhetik gesiegt hat.

Sünden aus der Vergangenheit sollen beseitigt werden

Einige dieser Sünden aus der Vergangenheit wollen die Stadtväter von Puerto del Carmen jetzt beseitigen. Mit neuen „Ökoboulevards“ will man die Wege vom Ortskern an den Strand attraktiver und fußgängerfreundlicher gestalten. Von der Avenida de Las Playas sollen über die Straßen Doramas und Anzuelo-César Manrique sowie der Avenida Italia, neu gestaltete Verbindungswege bis zur Rambla Islas Canarias in der Ortsmitte führen.

Hier will man ganz neue Akzente setzen, bei denen der Mensch und nicht das Auto im Fokus des Interesses steht. Mit attraktiven Grünflächen und Plätzen, die zum Verweilen einladen, wird die Stadt menschenfreundlicher und einladender gestaltet. Eine Vorstellung, die César Manrique sicher gefallen hätte. Die drei neuen Boulevards sollen zum Treffpunkt für Einheimische und Touristen und echte Orte zum Wohlfühlen werden. Auch wenn die Verbannung des Autos aus diesen Zonen wohl nicht vollständig sein wird, so soll der Verkehr doch massiv eingeschränkt werden, um das derzeit herrschende Chaos zu beenden. Man prüft deshalb, ob man dazu eine Entlastungsstraße bauen muss, oder ob es durch geschickte Verkehrslenkung auch ohne eine neue Trasse zu einer spürbaren Entlastung der Zone kommen kann.

Gebäude müssen abgerissen werden

Ein Problem bei der Schönheitsoperation am Gesicht des Urlaubsortes werden aber wahrscheinlich einige Gebäude sein, die den Plänen im Wege stehen. Sie müssten abgerissen werden, damit weite Räume entstehen können, die den Blick aufs Meer wieder ermöglichen. Um finanziell tragbare Lösungen zu finden, muss die Stadt mit den Besitzern dieser Gebäude in Verhandlungen treten, die sicherlich nicht leicht sein werden.

Verbunden mit diesen Plänen ist auch die Umwidmung der Zone. In Zukunft wohnt man hier nicht mehr so viel, dafür lebt man umso mehr. Wohnungen und Touristenapartments sollen kleinen Geschäften, Restaurants und Bars weichen, die in weniger hohen Gebäuden untergebracht werden können.

An einem definitiven Zeitplan für die Verwirklichung dieser beeindruckenden Pläne wird derzeit gearbeitet. Deshalb kann bislang noch niemand genau voraussagen, ab wann die Bewohner und Gäste von Puerto del Carmen über die neuen Boulevards flanieren können. Ein Weilchen wird es wohl noch dauern.