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Protest gegen Ölförderpläne vor den Kanaren in New York

Nachdem das spanische Umweltministerium in der vergangenen Woche grünes Licht für die Probebohrungen von Repsol vor den Küsten von Fuerteventura und Lanzarote gegeben hat, findet dieses Thema erneut gesteigerte Beachtung in der kanarischen Presse. Es gibt wieder mehr Informationen über die kontrovers geführten Diskussionen und die Aktionen, mit denen man gegen die Pläne demonstriert. Man berichtet aber auch über den Teil der kanarischen Gesellschaft, der immer noch glaubt, dass man die ökologischen Risiken vernachlässigen kann, da das versprochene Jobwunder weit höher zu bewerten ist. Dabei ist zu beachten, dass es dazu keine genauen Zahlen gibt, sondern nur vage Versprechungen der Konzerne, die weniger das Wohl der Bevölkerung als das ihrer Aktionäre im Auge haben.

Obwohl der Widerstand auf den Kanarischen Inseln nicht so stark ist, wie es zu wünschen wäre, gibt es immer wieder neue Initiativen, die die Ablehnung der Förderpläne zum Ausdruck bringen.

Sogar in New York wird am morgigen Samstag eine Demonstration vor dem spanischen Konsulat stattfinden. Organisiert ist diese von dem seit 16 Jahren im Big Apple lebenden, auf Fuerteventura geborenen Journalisten Juan Pablo Nobrega. Er hatte im Internet über die Sozialen Netzwerke zu der Aktion aufgerufen. Trotz der sehr überschaubaren kanarischen Gemeinde in der Millionenmetropole, rechnet Nobrega mit einer respektablen Teilnehmerzahl, da Umweltschutzverbände und Naturschutzorganisationen ihre Unterstützung zugesagt haben.

Rivero blickt neidisch nach Mallorca

Auch wenn der Protest nun also sogar im Ausland Beachtung findet, – in Berlin will man ebenfalls ähnliche Aktionen vorbereiten- muss der Präsident der kanarischen Regierung, Paulino Rivero, weiter gegen die Befürworter der Bohrungen aus der Partido Popular in der Heimat kämpfen. Etwas neidisch blickt er da auf seinen Amtskollegen José Ramon Bauzá auf der Baleareninsel Mallorca, die vor vergleichbaren Problemen steht.

Bauzá, der zwar Mitglied der in Madrid regierenden PP ist, aber einen Konfrontationskurs zur offiziellen Parteilinie fährt, hat es geschafft, auch die Unternehmer auf der Insel ins Boot zu holen und gegen die Pläne der Zentralregierung zu mobilisieren.

Auf den Kanaren sieht dies etwas anders aus. Wie Rivero seinem Amtskollegen bei einem Treffen bestätigte, ist ein bedeutender Teil der Unternehmerschaft auf den Kanarischen Inseln Mitglied in der konservativen Partido Popular und vertritt stramm die Linie der Partei. Persönliche wirtschaftliche Interessen stehen hier eindeutig vor dem Wohl der Allgemeinheit und dem Schutz der Umwelt. Mit Geld und leeren Versprechungen will man die Bewohner der Kanaren vom Segen der Ölindustrie überzeugen.

Dabei wird in polemischer Weise immer wieder das Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen für arbeitslose Canarios bemüht, das jedoch nicht durch konkrete Zahlen belegt ist, sondern nur von Spekulationen genährt wird. Kritik und Bedenken werden mit ebenso populistischen wie zynischen Bemerkungen vom Tisch gewischt. So antwortete ein Befürworter der Bohrungen in einer Diskussion mit interessierten Bürgern auf die Frage, was geschähe, wenn es zu einem Unfall kommen und die Strände von Fuerteventura und Lanzarote verseucht würden, lapidar: „Dann werden wir die Zahl der Arbeitslosen auf den Inseln weiter drastisch verringern. Wir werden viele Menschen einstellen und sie für Säuberungsarbeiten einsetzen. Danach werden die Strände sauberer sein als zuvor.“

Befürworter machen mit viel Geld und Populismus mobil

Bei nicht wenigen Bürgern verfangen diese einfachen und gefährlichen Aussagen. Menschen, die seit Jahren keine Arbeit und die Hoffnung darauf längst aufgegeben haben, sind nun mal für jeden Strohhalm dankbar, den man ihnen anbietet, und sei er auch noch so dünn und unbrauchbar.

Deshalb dürfen die Gegner der Förderpläne nicht müde werden, der Welt die wahren Risiken aufzuzeigen und über mögliche Folgen aufzuklären. Auch kleinere Erfolge, wie die Abstimmung im Inselrat von El Hierro, der sich gerade mit Mehrheit gegen das Vorhaben von Repsol ausgesprochen hat, können da Mut machen. Und wenn Industrieminister José Manuel Soria zu den traditionellen Feierlichkeiten zu San Juan am nächsten Wochenende auf seine Heimatinsel Gran Canaria kommt, um erneut Werbung für die von ihm geförderten Bohrungen zu machen, sollten die Gegner schon da sein, um den Interessen der Konzerne und ihren Vertretern nicht kampflos das Feld zu überlassen.