Polizeirazzia gegen Verkäufer von Urlaubspaketen war schlecht vorbereitet

Es war eine Polizeiaktion, wie sie Gran Canaria schon lange nicht mehr erlebt hatte. Mit einem beeindruckenden Aufgebot an Personal waren am Montag und Dienstag verschiedene Büros durchsucht worden. Sie sollen mit dem Verkauf illegaler Urlaubspakete in Verbindung stehen. Die Pakete versprachen den Kunden großartige Rabatte bei Reisen. Einen realen Wert, hatten sie aber letzten Endes nicht. Im Zentrum der Ermittlungen stand der Club Puerto Atlántico in Arguineguín. Er gehört dem deutschen Unternehmer und ehemaligen Verkaufschef von Anfi del Mar, Eugen Kaiser.

Verfahrensfehler und schlampige Ermittlungen

So großartig, wie die Aktion zunächst schien, könnte sie jetzt scheitern. Der Untersuchungsrichter in dem Fall, Julio Wood, erhob nun schon kurz nach der Razzia schwerwiegende Vorwürfe gegen die Polizei. Der Richter wirft den Beamten gravierende Verfahrensfehler, wie etwa fehlenden Durchsuchungsbefehlen und nicht vorhandenen Anordnungen zur Beschlagnahme von wichtigen Beweismitteln, vor. Hinzu kommt schlampige Ermittlungsarbeit. Die dazu führen könnte, dass auch diese Aktion, wie eine ähnliche im Jahr 2006, im Archiv der Staatsanwaltschaft endet. Wegen der dürftigen Beweislage und unzulänglich untersuchten Anschuldigungen sah sich der Richter gezwungen, weitere Durchsuchungsbefehle und Anordnungen zu verweigern. Ziel der Kritik ist die Abteilung für Drogendelikte und organisierte Kriminalität der Nationalen Polizei.

Ein hinreichender Tatverdacht ist derzeit nach Aktenlage und Ansicht des Richters nicht gegeben. Dass dies die betrogenen Kunden anders sehen, ist durchaus verständlich. Eine Verhandlung sollte für die Staatsanwaltschaft idealerweise mit einer Verurteilung der mutmaßlichen Betrüger enden. Für einen Prozess sind die bislang vorliegenden Fakten scheinbar jedoch nicht ausreichend. Ob durch die groß angelegte Polizeiaktion vom Anfang der Woche hier wichtige Chancen der Beweissicherung vertan worden sind, muss eine weitere Untersuchung der Angelegenheit ergeben. Die Vertreter der Verteidigung jedenfalls sahen die Sache in einem ersten Statement schon als erledigt an.

Trotz der Mängel in diesem Verfahren nahm Richter Woods die Gelegenheit zum Anlass, Eugen Kaiser und seine Geschäftspartnerin Paula Beatson zu vernehmen. Es liegen noch weitere Anzeigen gegen die beiden Köpfe der Vertriebsfirmen vor.

Anzeigen von betrogenen Kunden nicht weiter verfolgt

Bei der Aktion 2006 waren es betrogene Kunden, die Anzeige gegen den ehemaligen Timeshare-Boss erstattet hatten. Diesmal reagierte die Vereinigung der Unternehmer der Branche „Mindtimeshare“. Sie haben, vertreten durch ihren Vorsitzenden Alberto Garcia, die Angelegenheit ins Rollen gebracht. Eugen Kaiser sieht in der ganzen Sache eine Intrige der Konkurrenz, die ihn bzw. seine Firmen Voyager Travel, Lifestyle Holydays und Reclaimgc aus dem Geschäft drängen soll. In der nun vorliegenden Anzeige wird ihm bandenmäßiger Betrug vorgeworfen. Daher ist auch die Abteilung für Drogen und organisierte Kriminalität der Nationalpolizei für die Ermittlungen verantwortlich.

Was am Ende bei der undurchsichtigen Geschichte herauskommt, oder ob wieder alles still und heimlich in den Aktenschränken der Gerichte verschwindet, wird sich in nächster Zeit herausstellen. Auch wenn es erneut nicht zu einer Verurteilung kommen wird, hat die Aktion zumindest die Aufmerksamkeit auf Geschäfte gerichtet, die schon zahlreiche Urlauber in finanzielle Schwierigkeiten gebracht haben.

Rubbellosgewinne lediglich Vorwand für stundenlange Verkaufsgespräche

Einmal mehr sei hier die Warnung vor Rubbellosverteilern und anderen Bauernfängern ausgesprochen. Sie lotsen arglose Urlauber in Verkaufsgespräche, die schon mal bis zu acht Stunden dauern können. Psychologisch geschulte Verkäufer bauen zunehmend Druck auf, wenn die Kunden nicht gleich mehrere tausend Euro teure Urlaubspakete bestellen. In jedem Fall sorgen sie dafür, dass ein wertvoller Urlaubstag verloren geht. Den Tag verbringt man besser am Strand oder bei einem Ausflug. Die Masche mit den vermeintlichen Gewinnen, die persönlich abgeholt werden müssen, wird aber nicht nur von den dubiosen Verkäufern der Urlaubspakete verwendet. Oftmals sind es auch die, die sich heute als Saubermänner hinstellen. Viele Anbieter von Timeshare-Produkten kennen keine Skrupel. Das Konzept, das hinter Timeshare steckt, mag seine Vorteile haben und auch seriös sein. Die Methoden, mit denen man es auf den Kanarischen Inseln verkauft, ist es mit Sicherheit nicht.

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