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Parkprobleme und eine aufregende Abschiedstour

Foto aus dem Archiv - Foto von Matti Mattila - flickr

Massive Polizeiaktionen für mehr Disziplin im Straßenverkehr scheinen derzeit nicht nur in Deutschland groß in Mode zu sein. Auch auf den Kanaren gibt es dafür untrügliche Anzeichen. In Nordrhein-Westfalen haben sich die Ordnungshüter in der letzten Woche mit einem Blitzmarathon bei den Rasern des Landes unbeliebt gemacht. Auf Gran Canaria waren es die Überwacher des ruhenden Verkehrs. Sie haben an einem einzigen Wochenende in einem Stadtbezirk von Las Palmas 430 Knöllchen wegen Falschparkens verteilt. Und in La Laguna auf Teneriffa sorgten diensteifrige Polizisten dafür, dass die letzte Reise einer Leiche etwas länger ausfiel.

Im Stadtteil Guanarteme in Gran Canarias Hauptstadt Las Palmas gibt es zahlreiche Straßen, deren Breite trotz Einbahnstraßenverkehrs kaum ausreichend ist. Nicht förderlich für das friedliche Zusammenleben von Fußgängern, Radfahrern und motorisierten Zeitgenossen. Mehrstöckige Wohn- und Geschäftsgebäude säumen die Straßenschluchten des Barrios. Es hat seine Beliebtheit vor allem seiner Nähe zum Stadtstrand Las Canteras zu verdanken. Die privilegierte Lage wird aber besonders an Wochenenden zu einem immer größeren Problem. Wenn „todo el mundo“ zum Meer pilgert, um hier mit Freunden oder der Familie ein paar entspannte Stunden zu verbringen. In den ohnehin schon überlasteten schmalen Straßen nutzen dann tausende Ausflügler auch die allerkleinste Lücke, um ihr Vehikel irgendwie abzustellen. Die Parkhäuser sind meist schon am Vormittag komplett belegt. Für die später Kommenden beginnt dann die verzweifelte Suche nach einer kleinen Lücke in einem Meer aus Blech.

Mehr als 430 Knöllchen an zwei Tagen

Wer tatsächlich eine findet, kann sich glücklich schätzen und sich freuen. Er kann seine Freizeit endlich am Strand und nicht im Auto verbringen. Dass in dieser Not bei der Auswahl des Stellplatzes nicht auch noch böse Parkverbotsschilder beachtet werden können, versteht sich da von selbst. Dieser eher legere Umgang mit der Straßenverkehrsordnung wurde am Ende der vergangenen Woche jedoch für viele Wildparker zu einem teuren Vergnügen. Mehr als 430 Knöllchen verteilten emsige Polizisten und Politessen an nur zwei Tagen.

Die darauf folgenden Proteste von ertappten Parksündern beschäftigen nun auch die Stadtverwaltung von Las Palmas. Es sind nämlich nicht nur die Tagesbesucher des Strandes von Las Canteras, sondern immer öfter auch die Bewohner des Viertels. Sie haben keine Chance mehr, ihr Auto regelkonform zu stationieren. Eine Nachbarschaftskommission protestierte vehement gegen das strikte Vorgehen der Polizei. Ihre Aktion wurde von den Stadtoberen, nach eigenen Angaben zwar akzeptiert, aber nicht unterstützt.

Die Verantwortlichen in der Stadtverwaltung verlangen nun von den fleißigen Ordnungshütern eine Erklärung dafür, wie es zu dieser enormen Zahl von Strafzetteln gekommen ist. Wer die Verhältnisse in Guanarteme kennt, weiß, sie haben ganz einfach ihre Arbeit ernst genommen und konsequent alle Regeln durchgesetzt. Ohne Gnade wurden alle aufgeschrieben, die sich nicht strikt an die Parkregeln gehalten haben. Diese Gnade kam allerdings jetzt von der Stadtverwaltung, die nach den lauten Protesten einfach die Hälfte der Knöllchen kassierte und nun nur noch von 216 Falschparkern harte Strafeuros fordert. Nach welchen Maßstäben diese Amnestie durchgeführt wurde, ist bislang nicht bekannt. Ob die Anwohner dieses Vorgehen beruhigt, ist jedoch äußerst fraglich. Sie fordern, das Parkproblem endlich anzugehen und Lösungen zu finden für eine unbefriedigende Situation, die seit vielen Jahren bekannt ist und sich wahrscheinlich so schnell auch nicht ändern wird.

Leiche auf dem Abschleppwagen

Parkprobleme gibt es aber nicht nur in Las Palmas, sondern ebenfalls in La Laguna auf Teneriffa. Auch hier greifen die Überwacher des ruhenden Verkehrs immer öfter zu drastischen Maßnahmen, um Ordnung an der Parkfront zu schaffen. Opfer einer solchen Aktion wurde am vergangenen Mittwoch nämlich jemand, von dem man nicht weiß, ob ihm sein letzter Ausflug gefallen hat. Man kann ihn nicht mehr fragen. Er ist nämlich tot.

Der Angestellte eines Beerdigungsunternehmens aus Santa Cruz hatte seinen Leichenwagen nicht ganz gesetzeskonform in La Laguna geparkt und sich aufgemacht, um im nahegelegenen Gericht kurz einige Unterschriften für die bevorstehende Einäscherung seines Fahrgastes einzuholen. Dass solche Angelegenheiten manchmal etwas länger dauern als geplant, weiß jeder, der schon einmal mit spanischen Behörden zu tun hatte. Für die Polizei von La Laguna dauerte es jedenfalls zu lange, und so ließ sie den Leichenwagen kurzerhand abschleppen. Dass dabei auch gleich eine Leiche mitgenommen wurde, die sich zu Lebzeiten ihre letzte Reise wahrscheinlich etwas anders vorgestellt hatte, bemerkten die Beamten erst, als der aufgebrachte Fahrer des Wagens kam, um Auto und Leiche wieder auszulösen. 107 Euro hat die unfreiwillige Unterbrechung auf dem Wege zum Krematorium gekostet. Den Verstorbenen wird es wenig stören, wurde ihm so doch noch nach seinem Ableben eine mediale Aufmerksamkeit zu teil, die ihm zu Lebzeiten wahrscheinlich nie beschieden war.

Foto von Matti Mattila – flickr