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Ministerin Ahnungslos

Dass nicht alles was Politiker so von sich geben, immer der Realität entspricht, ist nichts Neues, aber die Ministerin für Entwicklung, Ana Pastor, scheint das wahre Leben konsequent zu ignorieren. Es ist natürlich auch möglich, dass sie gar nicht die Gelegenheit hat, die alltäglichen Probleme der Menschen zu erkennen, da sie als Mitglied der Regierung eh in einer anderen Welt lebt, in der man sich um so profane Dinge wie das Buchen eines Fluges nicht kümmern muss. In ihren Kreisen erledigt so etwas ein dienstbarer Geist. Schließlich haben so wichtige Menschen eine Menge damit zu tun, Regeln zu schaffen, die am Ende dann doch nicht eingehalten werden.

Nur so ist es zu erklären, dass Frau Pastor nun erneut betonte, dass Residenten auf den Kanarischen Inseln bei Fluggesellschaften und Fährbetrieben kein Certificado de Empadronamiento mehr vorlegen müssen, um in den Genuss des Residentenrabatts von 50 % auf den normalen Ticketpreis zu kommen. In der Theorie hat sie damit ja sogar Recht, nur die Praxis ist das Problem, und mit der müssen Normalsterbliche nun mal zurechtkommen. In dieser Realität kann ein fehlendes Papier dazu führen, dass man am Boden bleibt oder aber den regulären Preis ohne Rabatt bezahlen muss.

Einführung des automatischen Registrierungssystems lässt auf sich warten

Ausnahmslos alle Reedereien und 90 % der Fluggesellschaften sollen nach Auskunft der Ministerin mittlerweile über das automatische Registrierungssystem für Residenten (Sistema de Acreditación de Residencia Automático, SARA) verfügen.

Dumm nur, dass die Unternehmen selbst so gar nichts davon wissen und die Mitarbeiter an den Schaltern weiterhin die Vorlage des Zertifikates verlangen. Da nutzt es in der konkreten Situation auch wenig, wenn man, wie die Ministerin vorschlägt, eine Reklamation an das Ministerium schickt, falls man unverschämter Weise die Vorlage des Dokuments beim Check-in verlangen sollte. Ob dieses dann allerdings die Mehrkosten erstattet, die dadurch entstehen können, dass man sich auf die Informationen der Regierungsbehörde verlassen hat, ist jedoch äußerst fraglich.

Seit die Regierung im September 2012 die Einführung der automatischen Registrierung beschlossen hat, hat man von Seiten der Politik des Öfteren schon behauptet, dass es nun nicht mehr nötig sei, den Gang zur Gemeinde anzutreten, um sich das entsprechende Papier zur Gewährung des Sparpreises ausstellen zu lassen. Mit der Realität hatte dies aber kaum etwas zu tun. Auch wenn die Unternehmen ab 1. November dieses Jahres gesetzlich dazu verpflichtet sind, das System einzuführen und anzuwenden, bestehen doch arge Zweifel daran, dass diese verbindliche Regelung auch tatsächlich durchgesetzt werden kann. Bei einem Test in den vergangenen Tagen verlangte die weitaus größere Zahl der Fluggesellschaften die Vorlage der Bescheinigung, um mit einem reduzierten Ticket an Bord des Fliegers gelassen zu werden. Von einer einheitlichen Regelung ist man bei den Transportunternehmen bislang noch so viele Meilen entfernt, dass diese nicht einmal mit den Bonusmeilen aus dem Vielfliegerprogramm überwunden werden könnten.

Reisebüros raten dringend, das Certificado bereit zu halten

Der Präsident der Vereinigung der Reisebüros, Victor Melián, beschuldigte denn auch die Ministerin, mit ihren Äußerungen die Verwirrung bei Kunden und Reisebüros vergrößert zu haben. Ob Frau Pastor einfach nicht richtig informiert ist – soll ja auch bei Politiker(innen) vorkommen – oder aber ob sie bewusst die Unwahrheit gesagt hat – auch das ist in Volksvertreterkreisen ja nicht ungewöhnlich – wollte der oberste Reiseverkäufer aber dann doch nicht beurteilen. Sein fachmännischer Rat an alle Reisenden ist jedoch eindeutig: Wer ein Residententicket hat, sollte auf keinen Fall das Certificado de Empadronamiento vergessen. Sonst stehen die Chancen nicht schlecht, die Reisen mit einem Fehlstart zu beginnen. Aber vielleicht ist ja noch ein Platz im Regierungsflieger frei. Fragen Sie doch einfach mal bei Frau Pastor an.