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Küsten von Gran Canaria nicht von Ölkatastrophe bedroht

Eine kleine Schildkröte stand gestern symbolisch für eine Katastrophe, die in dem Ausmaß wie sie mache voreilig herbeigeschrieben haben, nicht stattgefunden hat. Unzweifelhaft ist aber, dass der ausgelaufene Treibstoff des vor der Küste von Gran Canaria gesunkenen russischen Trawlers Oleg Naydenov, der Meeresfauna- und Flora in der direkten Umgebung des Unglücks erheblichen Schaden zugefügt hat.

Schildkröte gerettet

Auf der Suche nach Bildern einer Katastrophe hat man eine kleine, etwa 20 Zentimeter lange Wasserschildkröte gefunden. Sie war in den Ölteppich geraten. Man hat sie von den Rettungskräften vor Ort aus dem Wasser gefischt. Danach hat man die Schildkröte in eine Tierklinik gebracht und gründlich gereinigt. Mittlerweile erfreut sich Blacky, wie sie die Schildkröte getauft haben, wieder bester Gesundheit.

Bis zum gestrigen Abend wurde jedoch kein zweites Tier entdeckt, mit dem man ähnlich schockierende Fotos hätte machen können. So wurde Blacky zum unfreiwilligen Zeugen für einen Fall von Umweltverschmutzung der aller Wahrscheinlichkeit nach zahlreiche weitere Lebewesen in Mitleidenschaft gezogen hat, aber auf bedauerliche Weise kein außergewöhnliches Ereignis ist.

Angesichts der tagtäglich auf unseren Meeren stattfinden Umweltverbrechen ist der Untergang des Fischereischiffes auf kaum noch als Katastrophe zu bezeichnen. Die echten Katastrophen finden zum großen Teil unbeachtet von der Öffentlichkeit statt. Sie liefern einfach nicht die spektakulären Bilder, nach denen die sensationslüsterne Öffentlichkeit und übereifrige Pressevertreter verlangen.

Tragischer Vorfall, aber Katastrophen finden woanders statt

Etwa ein Viertel der 1409 Tonnen Treibstoff, die an Bord der Oleg Naydenov gebunkert waren, sind nach ersten Schätzungen bislang in die Kanarischen Gewässer gelangt. Auch weiterhin tritt Schweröl aus. Eine Bedrohung der Küsten im Süden Gran Canarias kann jedoch nach einhelliger Meinung aller Experten ausgeschlossen werden. Zum einen begünstigen die vorherrschenden Windverhältnisse die Situation, zum anderen ist die Wassertemperatur in 2.400 Metern Tiefe, wo der Trawler auf Grund liegt, so niedrig, dass das Austreten und die Ausbreitung des Öls nur sehr langsam voranschreitet. Diese Umstände erleichtern es den Spezialkräften, die Folgen des Untergangs in Grenzen zu halten. Da nun wahrscheinlich keine Bilder von ölverseuchten Touristenstränden entstehen werden, bleibt vielleicht auf den Zeitungseiten endlich genügend Raum sich mit den alltäglichen Umweltverbrechen auf unseren Meeren einmal ganz sachlich zu beschäftigen, so tragisch der Fall der Oleg Naydenov auch sein mag.