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Kommt Humberto?

Foto aus dem Archiv

Victor Quintero, der Direktor der Agencia Estatal de Meteorología (Aemet), dem Meteorologischen Institut auf Teneriffa, gibt sich betont gelassen. Nach seinen Prognosen wird der erste Wirbelsturm der diesjährigen Hurrikansaison die Kanarischen Inseln weitgehend verschonen. Obwohl seine Kollegen eine nordöstliche Wanderung des Sturmtiefs, das sich über den Kapverden befindet, errechnet haben, sieht er kaum Gefahr.

Hurrikane sind nicht zuverlässig berechenbar

Allerdings gibt der Meteorologe auch zu bedenken, dass nicht alle Möglichkeiten der Wanderungsbewegungen des Sturmtiefs exakt bestimmt werden können. Es besteht immer auch die Gefahr, dass sich derartige Wetterphänomene zu unberechenbaren Stürmen entwickeln. Deren genauer Verlauf kann man kaum vorhersagen. Im Gegensatz sieht der bekannte Meteorologe Mario Picazo auf seiner Webseite durchaus Hinweise darauf, dass Humberto unangenehm werden könnte. Selbst wenn das Tiefdruckgebiet nicht direkt über den Archipel ziehen sollte. Es besteht seiner Ansicht nach die Gefahr, dass die Ausläufer des Hurrikans zu Schäden auf den Inseln führen könnten.

Erinnerungen an den Wirbelsturm Delta werden wach

Die Bewohner der Inseln erinnern sich mit Schrecken an den Hurrikan Delta. Der ist im Jahr 2005 unter ähnlichen Bedingungen entstanden, wie Humberto am gestrigen Tage. Auch Delta schien zunächst an den Kanaren vorbeizuziehen, bis er plötzlich seine Richtung änderte und auf den Kanarischen Archipel zusteuerte. Damals fegte das Unwetter mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h über die Inseln und hinterließ einen Toten auf Fuerteventura und enorme Verwüstungen auf mehreren Inseln. Besonders groß waren die Schäden an elektrischen Leitungen und im Kommunikationsnetz, was dazu führte, dass viele Orte tagelang ohne Strom und Telefon waren. Die Schäden in der Landwirtschaft gingen in die Millionen.

Erster Hurrikan der Saison bekommt stets volle Aufmerksamkeit

Ob ähnliches nun tatsächlich auch von Humberto zu erwarten ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. In dieser Jahreszeit gehört es zu den normalen Wetterphänomenen, dass im Atlantischen Ozean, im Gebiet um die Kapverdischen Inseln Hurrikane entstehen, die dann in der Regel über das Meer Richtung amerikanische Ostküste ziehen, wo sie ebenso regelmäßig schwere Schäden anrichten. Insofern ist auch Humberto nichts Besonderes.

Entstanden über den Kapverden, befindet er sich jetzt auf seiner Wanderung in nordöstlicher Richtung über den Atlantik, um dann irgendwann nach Westen abzudrehen, wo er nach Amerika und in die Karibik weiterzieht. Das er trotzdem derzeit so viel Aufmerksamkeit erfährt, liegt für Victor Quintero in erster Linie daran, dass er der erste seiner Art in der aktuellen Saison ist. Doch auch wenn er die Wahrscheinlichkeit, dass der Sturm den Kanarischen Inseln einen Besuch abstatten wird, für eher gering hält, wird er die Entwicklung in den nächsten Stunden genau beobachten, denn trotz aller Computermodelle kann man nie sicher sein, ob sich die Natur auch an die von den Meteorologen erarbeiteten Prognosen hält.