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Kultur oder Klamauk

Foto aus dem Archiv

Seit 2010 gibt es im Stadtteil La Isleta von Las Palmas ein kleines, aber feines Museum, das sich einem einzigen Thema widmet: der Geschichte des Karnevals auf Gran Canaria. Lange haben die Betreiber dieser Einrichtung versucht, Unterstützung von offizieller Seite für ihre Idee zu bekommen. Die Volksvertreter in der Hauptstadt haben diese aber bislang immer abgelehnt. Die Begründung dafür ist jedoch ziemlich unverständlich, wenn man sieht, welchen Zuspruch aus aller Welt der Karneval auf den Kanarischen Inseln und speziell in Las Palmas erhält. Während die Karnevalskollegen im Rheinland sogar versuchen, ihre Art des Frohsinns von der Unesco mit dem Titel des Weltkulturerbes auszeichnen zu lassen, sehen das die Verantwortlichen auf Gran Canaria offenbar ganz anders. Nach Ansicht des Stadtrates hat dieses große Volksfest keinerlei kulturellen Wert.

Der Direktor des Museo del Carnaval de Las Palmas, Ginés Betancor, hat zusammen mit einigen Mitstreitern jedoch seine Idee verwirklicht. Auch wenn der Vorschlag, das Museum an zentraler Stelle in der Stadt, im Edificio Miller, einzurichten, von den Stadtvätern mit eben jener fragwürdigen Begründung ablehnt wurde, haben die Karnevalisten nicht aufgegeben und ihre Sammlung etwas abseits der Touristenströme in der Straße Andamana 52 im Viertel La Isleta ausgestellt. Die Zahl der Besucher beläuft sich bislang auf lediglich etwa 4.000 in drei Jahren, was sicherlich auch daran liegt, dass kaum jemand von der Existenz des Museums weiß.

Direktor des Karnevalsmuseums auf Promotiontour in Deutschland

Dies soll sich jedoch jetzt ändern. Direktor Betancor reist in den nächsten Tagen nach Deutschland, um den Germanen den kanarischen Karneval und auch sein Museum etwas näher zu bringen. Mit zahlreichen Filmen im Gepäck, auf denen zu sehen ist, was in der Vergangenheit in den tollen Tagen auf Gran Canaria so zu erleben war, wird er auch die Städte Hamburg und Berlin besuchen, die in Deutschland ja nun nicht gerade als Hochburgen des Frohsinns gelten.

Obwohl die Narren hier nun eher nicht zu finden sind, dürfte er jedoch sicherlich in seiner Meinung bestärkt sein, dass es sich beim Karneval durchaus um ein kulturelles Gut handelt. Wo sonst ist die Volkskunst so präsent wie in den Kostümen, den Szenerien und den Prunkwagen, die im Karneval zu sehen sind. Wenn nur eine kleine elitäre Gruppe bestimmen darf, was Kultur ist und was nicht, dann ist fraglich, welche Aussagekraft eine solche Einschätzung hat. Wenn das Volk, das sich seine Kultur macht, ausgeschlossen wird aus der Bewertung der kulturellen Relevanz eines Festes, dann ist dies wenig demokratisch und zeugt von einer Arroganz, die dazu beiträgt, dass sich die sogenannten Eliten immer weiter von der breiten Masse entfernen.

Man muss den Karneval nicht mögen, weder den kanarischen noch den deutschen. Ihm aber seine Bedeutung für die Kultur eines Volkes abzusprechen, geht gar nicht. Wenn zigtausende Menschen aus aller Welt zusammenkommen, um zu feiern und Spaß zu haben, ist dies Teil der kulturellen Identität, ob es den Großkopferten gefällt oder nicht.

Das Museo del Carnaval findet man hinter einer unscheinbaren Fassade in der Calle Andamana Nr. 52 in Las Palmas. Geöffnet hat es in der Regel täglich von 9 – 13 und von 16 – 20 Uhr.