Heuschrecken auf den Kanaren

Schon in der Bibel findet man im Alten Testament im zweiten Buch Moses folgenden Text, der die Heuschrecken als die achte, von Gott gesandte Plage, beschreibt:

„Da sprach der Herr zu Mose: Recke deine Hand über Egyptenland, um die Heuschrecken, dass sie auf Egyptenland kommen, und fressen alles Kraut im Lande auf, samt allem dem das dem Hagel übergeblieben ist. Mose reckte seinen Stab über Egyptenland. Und der Herr trieb einen Ostwind ins Land den ganzen Tag und die ganze Nacht; und des Morgens führete der Ostwind die Heuschrecken her“

Dass es ein kräftiger Ostwind vermag, Heuschrecken in Schwärmen bis auf die Kanaren und sogar bis Portugal zu treiben, kommt aber ziemlich selten vor. Es passierte letztmalig Ende November bis Anfang Dezember im Jahre 2004, als Lanzarote und Fuerteventura von Heuschreckenschwärmen heimgesucht wurden. Man schätzte damals, dass 100 bis 200 Millionen Tiere den Weg bis auf die Inseln geschafft hatten. Nach ein paar Tagen war der Spuk aber vorüber und nennenswerte landwirtschaftliche Schäden gab es nicht. Ab und an begegnet einem auch auf La Palma einmal ein einzelnes Exemplar.

Trifft man heutzutage Wanderheuschrecken auf den Kanaren an, handelt es sich in der Regel um einzeln lebende Tiere in der so genannten „Solitären Phase“. In dieser Phase bilden sich keine Schwärme. Heuschrecken kommen auf fast allen Kontinenten vor, doch sind sie in Europa mittlerweile sehr selten geworden. Ihr Name stammt aus dem Altdeutschen und leitet sich von dem Wort „skrik“ für Springen ab.

Die Heuschrecken sind bis etwa 40 mm groß und durchleben bis zum Erwachsenenstadium fünf Phasen. Die einzelnen Stadien enden jedes Mal mit einer Häutung, die mit einer Änderung des Aussehens verbunden ist. Mehrmals im Jahr werden die Eier abgelegt. Die raupenförmigen Larven schlüpfen aber nur bei sehr warmen und nassen Witterungsbedingungen. Heuschrecken ernähren sich von pflanzlichen Stoffen und leben in der solitären Phase unauffällig und verborgen zwischen den Blättern der Pflanzen. Sie richten keine Schäden an.

Keine Gefahr

Heuschrecken werden jedoch andererseits auch absichtlich vermehrt und als Futtertiere in den Terrarien zum Beispiel bei der Haltung von Eidechsen eingesetzt. Somit hätte man hier auf den Kanarischen Inseln auch gleich den natürlichen Gegenspieler gefunden, denn Eidechsen gibt es reichlich.

Schwärme von Heuschrecken bilden sich erst in der „Gregären Phase“. Der Phasenwechsel wird durch das Hormon Serotonin ausgelöst, das vermehrt gebildet wird, wenn eine größere Anzahl der Tiere in Körperkontakt kommen und sich dabei mit den Hinterbeinen berühren. Das löst das Schwarmverhalten mit zeitgleicher Entwicklung vieler Exemplare aus, die dann gemeinsam „auswandern“. Eine weitere Bedingung sind sehr warme Temperaturen zwischen 27 und 40 Grad Celsius.

Für den Menschen besteht dabei keine Gefahr, obwohl das massenhafte Schwärmen durchaus unheimlich anmuten mag und die direkte Berührung mit einem Schwarm als unangenehm empfunden wird.

Vorkommen von Wanderheuschrecken gibt es in Afrika, Asien, Australien und zum Teil auch in Europa. Besonders in Ländern Afrikas schafften es Wanderheuschrecken, Schäden biblischen Ausmaßes anzurichten und Hungersnöte auszulösen. Die gefräßigen Tiere berauben sich auf der Wanderung jedoch auch selbst ihrer Nahrungsgrundlage. Dann gehen sie zugrunde oder werden, wie schon in der Bibel beschrieben, durch den Wind auf das Meer hinaus getrieben.

Die auf La Palma anzutreffenden Heuschreckenexemplare stellen keinerlei Gefahr dar. Die grosse Entfernung zum afrikanischen Kontinent ist sicherer Schutz vor dieser Plage.