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Die Guanchen – Legenden und Mythen um die Ureinwohner

Teneriffa, eine der sieben „glücklichen Inseln“ der Kanaren im atlantischen Ozean, steht seit jeher für den Traum eines friedlichen Zusammenlebens verschiedenster Kulturen in einem ganzjährig angenehmen Klima. Um die frühesten Besiedelungen der Inseln und ihre Ureinwohner, die Guanchen, ranken sich bis heute viele Theorien und Geschichten – woher stammen die ersten Bewohner? Wann haben sie die Inseln besiedelt – und vor allem, wie sind sie auf die Inseln gekommen?

Guanchen-Dorf Nachbildung im Themenpark „Pueblo Chico“ in La Orotava

Hierzu gibt es viele Spekulationen, von denen keine bis heute eindeutig belegt ist. Es könnte sein, dass die allererste Besiedelung der Kanaren bereits um 3000 vor Chr. stattfand; vermutlich stammten die Menschen, die auf die Inseln kamen, aus der Sahara-Region. Relativ sicher ist, dass die Phönizier auf der Suche nach neuen Handelswegen um 1000 vor Chr. auf die kanarischen Inseln stießen. Später, zu Lebzeiten des griechischen Geografen und Philosophen Ptolemäus finden sich in dessen Aufzeichnungen Hinweise zur Lage der kanarischen Inseln. Erst über tausend Jahre später landeten Seefahrer wieder auf den Inseln und fanden diese bevölkert vor. Da die Bewohner der Inseln keinen Kontakt zu weiter entwickelten Zivilisationen pflegen konnten, lebten sie in einer Art steinzeitlicher Kultur in Gruppen zusammen. Doch woher genau kamen sie ursprünglich?

Das „europäische“ Aussehen der Bewohner bildete die Grundlage für die Annahmen, dass sie entweder von Berberstämmen aus Nordafrika stammten oder von der iberischen Halbinsel, da die Bevölkerung von hier über eine ausgefeilte Navigationstechnik verfügte, die eventuell schon sehr früh eine Überquerung des Atlantiks ermöglichte. Bemerkenswert ist, dass viele Ausdrücke des Guanche, der Sprache der Ureinwohner, dem Berberischen ähneln.

Höhlenmalerei in der Cueva de Belmanco auf La Palma

Die Kultur der Guanchen

Die Kultur der Guanchen war friedlich und gilt als hoch entwickelt. So lebten die Guanchen als Bauern, Hirten und Fischer in verschiedenen Stämmen unter Einhaltung einer bestimmten Stammesordnung zusammen. Untergeordnet waren sie dabei dem jeweiligen „Mencey“, dem Stammesfürsten. Sie lebten vor allem in Steinhöhlen und besaßen die außerordentliche Fertigkeit, für den Anbau von Feldfrüchten unwirtliche Steilhänge mit einfachsten Werkzeugen in fruchtbare Terrassenfelder zu verwandeln. Das Zusammenleben verlief nach der Überlieferung weitgehend ohne große Konflikte. Eine beeindruckende Darstellung von neun überlebensgroßen Statuen der Stammesfürsten der neun Königreiche Teneriffas befindet sich in Candelaria, auf dem Hauptplatz vor der Kirche.

Kommunizieren konnten die Guanchen in unterschiedlichen Dialekten, die sich von Insel zu Insel unterschieden. El Silbo, eine Pfeifsprache, mit denen man sich mittels lauter Pfeiftöne auch über weite Distanzen hin verständigen konnte, ist heute einzigartig und wurde 2009 von der UNESCO auf eine repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit gesetzt. Um diese Errungenschaft aufrecht zu erhalten, wird El Silbo auf La Gomera heute noch in Schulen gelehrt.

Die Guanchen verehrten verschiedene Götter, zum Beispiel Achamán, den Gott des Himmels und wichtigste Gottheit oder den Sonnengott Magec. Im Teide eingeschlossen befand sich nach dem Glauben der Guanchen Guayota, der Gott des Bösen, Teuflischen. Er verursachte Vulkanausbrüche, um die Menschen zu bestrafen.

Auch der Totenkult der Guanchen ist bemerkenswert: Sie verstanden sich auf das Mumifizieren ihrer Verstorbenen, welche sie in Ziegenfelle einwickelten oder einbalsamierten. Die genaue Technik ist heute nicht mehr nachvollziehbar, Exemplare einiger erhaltener Mumien lassen sich heute noch in verschiedenen Museen Teneriffas bewundern.

Wer gerne mehr über diese spannende Kultur erfahren möchte, findet auf tenerife-guanches.com mehr Informationen auf englisch.

Foto: Nr. 2: Zyance unter der CC BY-SA 2.5 Lizenz (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/)