Gran Canaria: Hotels unterstützen Obdachlosenzentrum

In einer lauen Sommernacht kann es durchaus reizvoll sein, einmal eine Nacht unter freiem Sternenhimmel zu verbringen. Für eine wachsende Zahl von Menschen im Süden Gran Canarias hat ein solches Erlebnis jedoch nichts mit Romantik und Ferienstimmung zu tun. Für sie ist es eine täglich wiederkehrende bittere Erfahrung. Sie schlafen nicht freiwillig am Strand oder auf einer Bank, die zu ihrem Bett für eine Nacht geworden ist. Die Krise hat dazu geführt. Auch in einer Zone, in der es unendlich viel mehr Betten als Einwohner gibt. Viele Menschen haben kein Obdach und müssen auf der Straße schlafen.

Die Mitarbeiter von Caipsho (Centro de Acogida e Intervención Promocional de Personas sin Hogar) kennen die Probleme und Nöte dieser auf der Insel Gestrandeten sehr genau. Die Arbeit mit Menschen, die den Anschluss verloren haben, ist hier das tägliche Brot. Und Brot ist nur ein Teil der Unterstützung. Die Obdachlosen erhalten in dem Zentrum auf der Avenida de Tejeda in San Fernando de Maspalomas jeden Tag aufs Neue große Unterstützung. Viele Gründe sorgen dafür, dass sie nicht mehr mithalten konnten in der bürgerlichen Gesellschaft. Die Gründe sind so vielfältig wie die Menschen. Sie versammeln sich in diesen Räumen, um sich zu waschen oder eine richtige Toilette zu benutzen. Nicht nur ein paar warme Worte, sondern auch eine warme Mahlzeit und manchmal auch ein kostenloser Haarschnitt ist hier immer zu bekommen.

Zwei Welten treffen aufeinander

Es ist die ungeheure Diskrepanz zwischen 5-Sterne Luxushotels und der Obdachlosigkeit, die betroffen macht. Licht und Schatten liegen gerade in einem Touristengebiet, wie es der Süden Gran Canarias ist, sehr nahe beieinander. Umso erfreulicher ist, dass es Menschen gibt, die sich um die weniger Glücklichen kümmern. Sie lassen nichts unversucht, um auf die Schicksale der „Personen ohne festen Wohnsitz“ aufmerksam zu machen. Dabei geht es nicht um realitätsfremde Sozialromantik, sondern um handfeste Lebenshilfe für Menschen. Menschen, die sicherlich nicht immer ganz leicht zu verstehen sind, wenn man nicht selbst schon in einer ähnlichen Situation war. Damit man die Außenseiter nicht ganz vergisst, kümmern sich die Leute von Caipsho um sie. Unterstützung bekommt das Obdachlosenzentrum jetzt auch von Hotels und Restaurants aus Gran Canarias Süden.

Jeden Tag vernichten die touristischen Betrieben Unmengen von Lebensmitteln. Nahrung, die man zuvor teuer produziert hat und am Ende einfach wegwirft. Nur weil sie den hohen ästhetischen Ansprüchen der verwöhnten Kundschaft nicht mehr entspricht. Manchmal sind es auch die ungeheuren Mengen, die einfach nicht verzehrt werden können. Doch nun sind die dekorativen Speisen nicht länger das Privileg der Touristenklasse. Mehr als 30 Hotels und Restaurants der Zone liefern seit einiger Zeit ihre kulinarischen Überschüsse in der Avenida de Tejeda ab. So helfen sie jeden Tag mit, Mägen zu füllen, die ansonsten vielleicht leer bleiben würden. Die Solidarität, die man hier demonstriert, ist ein wichtiges Zeichen. Besonders in einer Zeit, in der immer mehr Menschen in Situationen geraten, die sie sich niemals hätten träumen lassen.

Gierige Buffetritter müssen zahlen

Die Beschäftigung mit dem Thema gibt aber auch Anlass, einmal generell über den täglichen Umgang mit Lebensmitteln in Hotels und Restaurants nachzudenken. Insbesondere bei Buffets, die immer beliebter und opulenter werden. Nicht selten kann man stürmische Kämpfer bei der heißen Schlacht am kalten Buffet beobachten. Sie schleppen überladene Teller an ihren Tisch, nachdem sie sich mit ihren Konkurrenten um das vermeintlich letzte Hühnerbein gestritten haben. Dass zwei Minuten später wahrscheinlich die nächste Ladung toter Tiere angeliefert wird, spielt bei der Auseinandersetzung keine Rolle.

Dass die Buffetritter bei einem solchen Stress mit der Nahrungsbeschaffung manchmal über das Ziel hinausschießen und den Teller dann doch etwas voller schaufeln als ihnen gut tut, bleibt da nicht aus. So werden am Ende Tonnen von Lebensmitteln vernichtet, nur weil das richtige Maß fehlte und mancher All-inclusive-Geiz-ist-geil-Tourist glaubt, er habe alles bezahlt und müsse sich nehmen, was ihm doch zusteht. Es gibt jedoch Restaurants, deren Besitzer diese Unsitte nicht länger akzeptieren wollten und nachgedacht haben. Bei ihnen müssen die ungestümen Nahrungssammler jetzt eine Strafe zahlen, wenn sie ihren Teller nicht leer gegessen haben. Die Gäste können sich so oft sie mögen am Buffet bedienen, wer aber seinen Teller in seiner Gier so überlädt, dass am Ende die Hälfte weggeworfen werden muss, zahlt dann nicht nur den All-you–can-eat-Tarif, sondern extra für jedes Brötchen, dass er eben nicht gegessen hat.

Eine gute Idee, und wenn dann die Einnahmen, die dadurch generiert werden, auch noch als Spende an Brot für die Welt oder eine Organisation wie Caipsho gehen, wird die Gier zur Hilfsaktion. Eine schöne und recht versöhnliche Vorstellung.