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Gibt es bald eine neue kanarische Insel?

Die kanarischen Inseln im Atlantischen Ozean sind ein Begriff. Doch genau nachgehakt, fallen dem nach den Inseln Befragten zunächst die allseits bekannten kanarischen Inseln Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura ein. Bei ein wenig Nachdenken kommen dann doch La Gomera, La Palma und die durch die neueste Vulkanaktivität in die Schlagzeilen geratene Insel El Hierro hinzu.

Mehr als nur sieben Inseln

Dass es neben diesen sieben kanarischen Inseln allerdings noch einige kleine weitere Inseln gibt, ist gemeinhin nahezu unbekannt. Diese auch zu den kanarischen Inseln zählenden Inseln werden als “Chinijo-Archipel” bezeichnet. Sie liegen nördlich, nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt, unmittelbar neben der kanarischen Insel Lanzarote. Dieses Archipel besteht aus den sechs Inseln Alegranza, Graciosa, Lobos, Montana Clara, Roque del Oeste und Roque del Este. Während fünf dieser Inseln nicht besiedelt sind und als Naturpark vielen seltenen Seevögel Arten eine Heimat geben, ist die sechste der kleinen Inseln mit dem Namen Graciosa, Heimat von fast 700 Menschen. Auch sie gehört seit 1986 zum Naturpark des Chinijo-Archipels.

Doch nun möchte sich die kleine Insel aus ihrem kaum bekannten Inselverband hervorheben und neben den anderen sieben kanarischen Inseln, die achte selbständige kanarische Insel werden.
Auf dem zurzeit noch sehr beschaulichen Eiland gibt es lediglich zwei Orte. Der größere der beiden auf der Insel befindlichen Orte heißt Caleta del Sebo und befindet sich im Süden der Insel. Hier wohnen nahezu alle 700 Einwohner, die fast ausschließlich von der Fischerei vor den afrikanischen Gewässern und dem sehr moderaten Tourismus leben. Der Tourismus auf La Graciosa besteht in erster Linie aus Windsurfern, die Wind und Wellen vor dem Archipel für sich entdeckt haben. Daneben kommen Bewohner der anderen kanarischen Inseln, die hier ihre Ferienhäuser haben sowie Tagestouristen, die auf einen Abstecher auf der kleinen Insel ankommen. Immerhin sind es dann doch ungefähr 500 Besucher, die während der Sommermonate täglich mit der Fähre aus Lanzarote auf der Insel anlanden.

La Graciosa will zur achten Insel werden

In Caleta del Sebo liegt auch der einzige Hafen der Insel. Der zweite Ort der Insel heißt Casas de Petro Barba, liegt im Westen der Insel und besteht hauptsächlich aus Ferienhäusern. Insgesamt ist die Infrastruktur auf der Insel noch relativ rudimentär. Asphaltierte Straßen gibt es auf La Graciosa nicht. Für die Einwohner der Insel ist nur eine beschränkte Anzahl von Fahrzeugen zugelassen, die auf den Sandpisten auf La Graciosa mit ihren Geländewagen verkehren. Das Trinkwasser muss mit einer Pipeline unter der einen Kilometer breiten Meeresenge zwischen La Graciosa und Lanzarote oder mit dem Tankschiff auf die Insel transportiert werden. Denn auch Süßwasserquellen gibt es auf der Insel keine.

Graciosa hat mit 29,05 Quadratkilometern einen Flächenanteil von 0,39 Prozent an der Gesamtfläche aller Kanarischen Inseln, ist somit die kleinste bewohnte Insel der Kanarischen Inseln und wird von der Gemeinde Teguise verwaltet. Nun möchte La Graciosa ganz offiziell die achte kanarische Insel werden. Eine Bürgerinitiative sammelt auf einer Internetplattform für Bürgerbegehren Unterschriften für das Gesuch, die kleine Insel La Graciosa gesetzlich als „achte Insel“ der Kanaren anzuerkennen. Ein einzelner Einwohner von La Graciosa hat diese Bürgerinitiative ins Leben gerufen und nutzt das Internetportal für sich und seine Initiative für La Graciosa.

Initiative gestartet

Die Initiative möchte den Präsidenten der kanarischen Inseln, Paulino Rivero, den Präsidenten von Lanzarote, Pedro San Ginés sowie den Bürgermeister von Teguise überzeugen, dass La Graciosa der Verwaltungsstatus einer Gemeinde verliehen wird. Um ihr ehrgeiziges Ziel für die kleine Insel zu erreichen, muss die Initiative um den Antragsteller im ersten Schritt 800 Unterschriften sammeln. Mit diesen Unterschriften hat man den Antrag im zuständigen Verwaltungsverfahren überhaupt erst bearbeitet. Allerding sollen in den ersten zwölf Tagen seit der Veröffentlichung des Antrages bereits über 440 Unterschriften zusammen gekommen sein.

Was versprechen sich nun die Förderer dieser Initiative von ihrem mutigen Vorstoß? In erster Linie geht es um Autonomie für das Eiland und die damit verbundenen Haushaltsgelder, die sehr gut für den Ausbau der Infrastruktur eingesetzt werden könnten. Neben den finanziellen Vorteilen würde durch die Anerkennung als achte Kanareninsel, La Graciosa – so erhofft es sich zumindest die Initiative – auch mehr publikumswirksame Aufmerksamkeit zuteilwerden. Das wiederum würde die Vermarktungschancen im hart umkämpften Tourismusgeschäft der kleinen Insel erhöhen. Allein eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur – so ist die Hoffnung der Befürworter der Initiative – würde verstärkt Touristen auf die noch fast unberührte Insel bringen.

La Graciosa bedeutet „die Anmutige“. Falls La Graciosa tatsächlich die achte Kanareninsel verbunden mit den erhofften infrastrukturellen Auswirkungen werden sollte, bleibt zu hoffen, dass sie sich weiterhin für die Anwohner und die Touristen ein wenig Anmut bewahren kann.