Gefangen im Parkhaus

Dass der Wunsch nach individueller Mobilität in den Städten nicht immer ohne Probleme erfüllt werden kann, ist keine besonders kluge Feststellung, sondern kann jeden Tag aufs Neue in den Ballungsräumen dieser Welt beobachtet werden. Kilometerlange Staus, genervte Autofahrer und eine verpestete Umwelt gehören für viele Menschen zum Alltag. Auch in Las Palmas, der größten Stadt auf den Kanarischen Inseln, ist das nicht anders. Man hat hier in den vergangenen Jahren Einiges getan, um den Verkehrsfluss in der Stadt zu verbessern. Besonders erfolgreich war man dabei jedoch scheinbar nicht. All die neuen Radwege und Busspuren haben kaum dazu beigetragen, das Problem des stetig wachsenden Verkehrs zu lösen. Noch immer benutzen die meisten Menschen ihr eigenes Auto, um in die City zu gelangen. Der öffentliche Nahverkehr oder der Umstieg aufs Fahrrad ist für viele keine bedenkenswerte Alternative, warum auch immer.

Zwei Stunden Wartezeit, um das Parkhaus zu verlassen

In der vergangenen Woche jedoch war das Verkehrsaufkommen in der City der Gran Canarischen Hauptstadt so immens, dass die Besucher des Parkhauses vom Corte Inglés auf der Avenida Mesa y López lange keine Chance hatten, das Parkhaus zu verlassen.

Die Ausfahrt auf die Straße Juan Manuel Durán, die parallel zu der beliebten Einkaufsstraße verläuft, war blockiert, da der Verkehr in der Zone völlig zum Erliegen gekommen war. Besonders schlimm war es am Freitagabend, als die Menschen zwei Stunden lang in dem Parkhaus gefangen waren und es keine Möglichkeit gab, dem Verkehrschaos zu entkommen. Am Montag dieser Woche kam es zu ähnlichen Szenen, diesmal jedoch nicht ganz so heftig wie zuvor.

Die Suche nach den Gründen für dieses Chaos gestaltet sich etwas schwierig. Die Verkehrsplaner in der Stadtverwaltung sieht man recht ratlos. Sie können sich einfach nicht erklären, wie es immer wieder zu einer derart großen Überlastung der Straße Juan Manuel Durán kommen kann. Sie sprechen bereits von einem Mysterium. Vielleicht sollten sie einmal die Bürger fragen, die von der Situation in ihrer Stadt so gar nicht begeistert sind. Allerdings haben auch die alle ihre ganz eigene Erklärung, die jedoch selten dazu beiträgt, den Kern des Problems zu erkennen.

Für die Einen ist es eine Baustelle hier, für die Anderen eine zeitweilig gesperrte Fahrspur dort. Manche beklagen, dass die neuen Radwege den Verkehrsraum für die Autos verringern, und eine andere Gruppe meint, die Sonderspuren für die Busse des öffentlichen Nahverkehrs würden den Autofahrern den Platz wegnehmen. Dass die Ursache für das zunehmende Chaos eine ganz andere ist, wollen die Individualautomobilisten einfach nicht sehen, obwohl sie doch so offensichtlich ist.

Immer mehr Autos auf begrenztem Raum

Der Raum in einer Stadt, ganz besonders auf einer Insel, ist nun mal begrenzt. Und solange es immer noch Menschen gibt, die glauben, auch die kürzeste Strecke mit dem Auto zurücklegen zu müssen, obwohl sie die Möglichkeit hätten, auf die Alternativen wie Busse oder Rad zurückzugreifen, wird das Problem nicht gelöst werden. Sicherlich gibt es immer wieder einen wichtigen Grund, das eigene Auto für eine Fahrt in die Stadt zu nutzen, gar keine Frage. Wer etwa einen Großeinkauf nach Hause transportieren muss, hat oft keine andere Wahl, als sein Auto zu benutzen. Aber mindestens genauso oft könnte man den Ausflug in die City bequemer und wahrscheinlich auch schneller mit dem Bus erledigen oder sich den Besuch im teuren Fitnesszentrum sparen und sich einfach mal aufs Rad schwingen.

Vielleicht müssten die Menschen öfter einmal in einem Parkhaus festsitzen, um die Gelegenheit zu nutzen, über ihren Umgang mit dem Auto nachzudenken. Einige würden sicherlich zu ganz neuen Erkenntnissen kommen, und das Problem würde sich bald von ganz alleine lösen. Besonders den Bewohnern der Innenstädte wäre dies zu wünschen.

(Foto: gato-gato-gato / flickr.com, Lizenz: CC-BY)