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Fuerteventura: Gestrandete Gepäckstücke werden zu Hilfsgeldern

Es gehört zu den eher unangenehmen Dingen, die einem auf Reisen passieren können. Man steht am Gepäckband des Flughafens, starrt unablässig auf die vorbeziehenden Koffer und wartet doch vergeblich. Während die anderen Reisenden längst die Halle mit ihren Habseligkeiten verlassen haben, schwindet langsam die Hoffnung auf das erlösende Erscheinen der eigenen Gepäckstücke. Auch wenn die meisten verlorengeglaubten Koffer dann doch noch, wenn auch manchmal Tage später auftauchen, bleiben einige für immer verschollen.

Manche der ehemaligen Kofferbesitzer geben genervt auf und verzichten sogar darauf, den Verlust bei der Fluggesellschaft zu melden. Die Gründe dafür sind vielleicht nicht immer nachzuvollziehen, aber es passiert öfter als gedacht. Und selbst wenn der verzweifelte Reisende sich nicht damit abfinden will, mit leeren Händen dazustehen und das Verschwinden von Koffern, Taschen und anderen Gepäckstücken bei den zuständigen Stellen anzeigt bedeutet dies nicht in jedem Falle, dass er seine unermesslichen Schätze und die dreckige Unterwäsche auch zurückbekommt.

Was für die Betroffenen entweder eine mittlere Katastrophe oder aber die Gelegenheit ist, auf Kosten der Versicherung eine neue Garderobe zu kaufen, wird zum Segen für bedürftige Menschen. Von denen es in Zeiten der Krise immer mehr gibt.

Auf Fuerteventura verkauft man in Kürze herrenlose Gegenstände. Sie alle sind zwischen den Jahren 2000 und 2010 auf dem Flughafen der Urlaubsinsel gestrandet. Die staatliche Betreibergesellschaft der spanischen Airports, Aena, hat gerade tausende von Fundstücken dem Roten Kreuz der Insel gespendet. Aena will mit einer Auktion, einem Bingoabend und einem Flohmarkt Gelder für die soziale Arbeit der Hilfsorganisation sammeln.

Bevor die verlorenen Gegenstände jedoch neuen Besitzern Freude bereiten und mit den Erlösen aus der Aktion Menschen unterstützt werden, die von einer Reise nur träumen können, sind von den freiwilligen Helfern noch unzählige Arbeitsstunden zu leisten.

Zunächst einmal wurden die Dinge in ein zentrales Lager gebracht, wo man sie sortiert. So unterschiedlich wie die Menschen, die diese Schätze verloren haben, sind auch die Objekte der Begierde. Es sind glücklicherweise nicht nur verschwitzte T-Shirts und nasse Handtücher, die sich im dunklen Feuchtbiotop eines schimmeligen Koffers sammeln, sondern auch echte Kostbarkeiten, die richtig Geld in die Kassen der Hilfsorganisation spülen sollen.

Auch eine Rolex und ein echter Nerzmantel werden zum Verkauf angeboten

Auf der anstehenden Auktion wird es deshalb nicht nur zahlreiche hochwertige Kameras, Uhren und Juwelen sowie Surfboards zu ersteigern geben. Sondern auch einen eleganten Nerzmantel und eine echte Rolex, die so manches Sammlerherz höher schlagen lassen dürfte. Diese Fundstücke werden die Stars der Versteigerung sein, deren Termin noch nicht feststeht, die aber nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Auch der Flohmarkt, auf dem man die nicht ganz so spektakulären und weniger wertvollen Fundstücke gegen dringend benötigte Euros tauscht, beginnt in den nächsten Wochen.

Damit aber niemand mit unangenehmen Überraschungen rechnen muss, steht den Helfern des Roten Kreuzes noch eine Menge Arbeit bevor. Die Mitarbeiter öffnen teure Koffer fachgerecht, damit sie nicht beschädigt werden und noch zum Verkauf taugen. Sie entsorgen vergammelte Objekte und katalogisieren alles Verwertbare sorgfältig. Und manchmal gibt es sogar angenehme Überraschungen. Nämlich dann, wenn sie in schicken Geldbörsen, die scheinbar niemand vermisst, Bargeld finden. Etwa 11.000 Euro sind bei der Schatzsuche aufgetaucht. Mit dem Geld werden bedürftige Menschen auf Fuerteventura mit Nahrungsmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs versorgt. Die Fundstücke, die man nicht auf der Auktion, dem Flohmarkt oder der Bingoveranstaltung verkauft, wandern nicht ungeprüft in den Müll. Sondern sie werden wie etwa tausende von Brillen an eine Organisation weitergereicht. Sie helfen damit Menschen in Afrika zu einer klaren Sicht.

Wer also einmal vergeblich auf seinen Koffer am Gepäckband warten sollte, kann sich mit dem Gedanken trösten, dass letztendlich die Dinge nicht ganz verschwunden sind. Sie werden nun dafür dazu genutzt, in Not geratenen Menschen eine Freude zu bereiten.