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Erneute Reform beim spanischen Abtreibungsgesetz

Foto aus dem Archiv

Für die meisten selbstbewussten und modernen Frauen gab es keinen Grund, am Abtreibungsgesetz etwas so Gravierendes und Rückläufiges vorzunehmen. Dennoch hat die Regierung unter Mariano Rajoy (PP) kurz vor Weihnachten den spanischen Frauen einen solchen Rückschritt verkündet.

Das es zu keinem Thema auf der Welt nur eine Meinung gibt ist klar. Doch auch die Sozialisten sehen bei diesem Gesetz ganz klar eine Einschränkung der Frauen auf Selbstbestimmung, was auch de facto so ist. So soll auch nicht darüber gestritten werden, ob nun Abtreibung ein Recht sein soll oder eine Ausnahme. Doch wenn Frauen wie Sandra Moneo, Sekretärin des Amtes für Erziehung und Gleichberechtigung, davon sprechen, dann wird verkannt, dass es bei dem Thema nicht nur um das ungeborene Leben sondern auch um das geborene Leben geht.

An welcher Stelle dies steht, ist leicht zu erkennen. Da verletzt diese Reform die Selbstbestimmung der Frauen und befördert die Gesellschaft zurück in die achtziger Jahre. Durch Politik und Kirche sollen die Frauen wieder am Gängelband geführt werden. Wobei hier auf gar keinen Fall zu vergessen ist, welchen Dreck die Kirchen selbst vor Ihren Pforten hinterlassen haben. Es sollte nunmehr selbst dem Gläubigsten klar geworden sein, dass die Kirche Wasser predigt und Wein trinkt und das es an der Zeit ist, das Bild der Kirche neu zu definieren.

Kirche als Vorbild?

Die Reform und deren Befürworter vergessen die Fälle, in denen das vorhandene Leben durch die bevorstehende Geburt immensen Schaden nimmt und im Verlauf auch das Neugeborene. Das Kind trägt dann die Last, ebenfalls mit den Auswirkungen seiner mit dem Leben überforderten Eltern, sein Leben zu meistern. Ein Kreislauf, der durch das bestehende Gesetz zum Teil durchbrochen war. Dogmatisch zu behaupten, das Ungeborene sei auf jeden Fall zu schützen ist einfach strukturiert und greift zu kurz.

Die jungen Frauen gleichwohl zu Kriminellen zu machen, führt nicht zu einer modernen und selbstbewussten Gesellschaft. Und zu Kriminellen werden sie gemacht, wenn sie Macht des verabschiedeten Gesetzes in die Zeit zurückfallen, in denen sie sich den Kurpfuschern auslieferten und in Hinterzimmern abgetrieben wurde. Leben zu schenken ist eine Entscheidung von zwei Menschen, die sich lieben. In letzter Konsequenz aber die Entscheidung der Frau. Das ist so, ob man das nun gutheißt oder nicht steht auf einem anderen Blatt Papier.

Und scheinheilig erscheint die Reform auch dergestalt, als dass man die Kosten im Erziehungsbereich und der Gesundheit drastisch gekürzt hat. Das hat zur Folge, dass es Frauen wieder deutlich schwieriger gemacht wird, Familie und Arbeit gut zu kombinieren. Es kann ja nicht Stand der gesellschaftlichen Entwicklung sein, dass wir dazu immer noch nicht in der Lage sind, entsprechende Modelle einzuführen, die genau das ermöglichen. Der Weg der Kinderbetreuung bei Arbeitgebern, wo Mütter mit dem Beginn der Arbeit ihre Kinder versorgt sehen und diese in der Mittagszeit aufsuchen können, scheint wohl für Politiker zu kompliziert zu sein. Da lassen sie sich lieber von den Kirchen in die Pflicht nehmen.

Ein Rückschritt in der Gesellsschaft

Da erschreckt es zudem, dass die Vereinigung „Derecho a vivir“ Recht auf Leben, die Reform begrüßt und gleichzeitig moniert, dass es trotz der Regierungsmehrheit unter Mariano Rajoy (PP) über zwei Jahre gedauert hat, um das Gesetz zu verabschieden. Sie, die Vereinigung Derecho a vivir, kommentiert sogar, dass es ihnen gefallen hätte, wenn die Regierung eines modernen Landes erstmals komplett die Abtreibung verboten hätte. Diese Gedanken sind die eigentliche Gefahr auf dem Weg zu einer liberalen Gesellschaft. Wie die Vereinigung in diesem Zusammenhang auf „Modern“ im Bezug auf die Gesellschaft, bzw., die Politik kommt, ist rätselhaft. Dennoch, das erklärte Ziel der ultrakonservativen Vereinigung erklärt der Sprecher Dádor Joya so: „Absolutes Abtreibungsverbot!“ Also auch bei Früherkennung von Missbildungen. Die Folgen daraus für die bereits Lebenden sind den Konservativen scheinbar völlig egal. Das darf man bei allem Respekt als zweifelhaften Geisteszustand bezeichnen.

Ärzte, die bei Missachtung des Gesetzes zu Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren zu erwarten haben, kommentieren das Gesetz als Rückschritt von wenigsten 25 Jahren. Seit 1985 wurde die Bestrafung bei Abbruch einer Schwangerschaft abgeschafft. Zahlen belegen, dass in dem Zeitraum von 1985 bis 2011 ca. 1,7 Millionen Abtreibungen vorgenommen wurden. Davon waren die meisten Frauen im Alter zwischen 20 und 29. Die Zahl der unter 15 jährigen lag im Jahr 2011 bei knapp 450 Mädchen. Da wäre mehr Aufklärung und Betreuung im Vorweg ratsam, bevor dogmatisch verboten wird. Sollten Kinder doch erst einmal ihr eigenes Leben gestalten, bevor sie neues Leben schenken.

Bleiben sie bei wachem Verstand….

Ihr Jean-Bas