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Eine Jungfrau auf Reisen

Foto von maskoni - Flickr

Zum 68. Mal steht El Hierro heute ganz im Zeichen der Jungfrau der Könige. Die Bajada de la Virgen de Los Reyes geht zurück auf das Ende einer lang anhaltenden Dürre. Im Jahre 1740 hielt sie die Bewohner der Insel fest in ihrem Würgegriff. Nach einer langen Zeit ohne Regen bekamen die Insulaner von ihren geistlichen Führern einen Befehl. Sie sollten die Jungfrau Maria um Hilfe anflehen, damit das Dürsten und Hungern von Mensch und Tier endlich ein Ende hat.

Schließlich unternahmen die Gläubigen eine Pilgerfahrt nach Valverde. Dort absolvierten sie eine Novena, einen neuntägigen Gebetsmarathon. Anschließend begann es tatsächlich zu regnen, wodurch das Leid endlich ein Ende hatte. Da man natürlich davon ausging, dass die Mutter Gottes den Wetterumschwung bewirkt hatte, gaben ihr die Bewohner von El Hierro ein Versprechen. Seitdem wollten sie alle vier Jahre das Bildnis der Jungfrau aus ihrer Kapelle in La Dehesa de La Sabinosa holen und in die Inselhauptstadt Valverde tragen.

27 Kilometer einmal quer über die Insel

Über eine Strecke von 27 Kilometern zieht die Prozession über die kleine Insel. Mit Trommeln und Flöten begleiten die in Weiß und Rot gekleideten Menschen tanzend die Madonna auf ihrem Weg durch die Dörfer. Am Wegesrand stehen Zuschauer, die nicht nur aus den umliegenden Dörfern stammen. Sie reisen aus weiten Teilen der Welt an. Bei der Feierlichkeit stimmen sie in die Lieder mit ein. In jedem Ort werden ganz unterschiedliche Tänze aufgeführt. Sie begleiten den Zug solange, bis die Gläubigen aus dem nächsten Dorf die Aufgabe übernehmen. Mehr als 20 verschiedene Tänze sind bei der Bajada zu sehen. Alle begleitet, von ihren einzigartigen Melodien. So ergibt sich in Santo Domingo ein anderes Bild als in Redondo und dort wiederum ein anderes als in Tajaraste usw.

Einmal in der Hauptstadt Valverde angekommen, zieht die Madonna in die Iglesia de Nuestra Señora de la Concepción ein. Dies ist die Hauptkirche der Insel. Neben der religiösen Macht übernimmt sie hier auch die weltliche. Man legt ihr das Zepter des Bürgermeisters als Zeichen der Amtsgewalt in die Hände. Fast einen Monat lang steht die Insel nun unter dem Schutz der Madonna. In dieser Zeit besucht sie die wichtigsten Dörfer von El Hierro. Erst am 3. August wird die Virgen de los Reyes wieder in ihre Heimatkapelle in La Dehesa de Sabinosa zurückgebracht.

Tausende Besucher aus aller Welt

Wie auch bei den vergangenen Prozessionen werden in diesem Jahr wieder tausende von Besuchern aus allen Teilen der Welt erwartet. Sie kommen, um das seltene Ereignis zu bestaunen und um Freunde und Bekannte wiederzutreffen. Viele Einheimische mussten ihre Familien in El Hierro wegen des schlechten Arbeitsmarktes verlassen. Jetzt nutzen sie die Chance, in die Heimat zurückzukehren.

Am heutigen Samstag haben die Feierlichkeiten bereits um 5 Uhr am Morgen mit einer Eucharistiefeier begonnen, bevor sich der Zug eine Stunde später unter Beteiligung der Inselprominenz zunächst betend und in aller Stille in Bewegung gesetzt hat. Im Abstand von jeweils etwa einer Stunde macht die Prozession Station in den Dörfern, die auf dem Weg nach Valverde an der Nordostküste liegen. Ein Höhepunkt der Reise ist das Zusammentreffen mit den Gläubigen und ihren Heiligen aus anderen Gemeinden sein, das um etwa 11.45 Uhr am Cruz de Los Reyes stattfindet. Erst für 22.40 Uhr ist die Ankunft der Madonna und ihrer Begleiter an der Parroquia Matriz de La Concepción de Valverde geplant, wo sie an die geistlichen Würdenträger übergeben wird, in deren Obhut sie dann die nächsten Wochen verbringt.

Foto von maskoni – Flickr