Ein kurzer Flug für eine Blechdose, ein epochales Ereignis für alle Biertrinker

Es gibt Ideen, die können nur an einem feuchtfröhlichen Abend mit viel Alkohol entstehen. Das, was sich die Werber der Brauerei des kanarischen Gerstensaftes Tropical da ausgedacht haben, um eine neue Art der Bierkühlung zu präsentieren, ist wohl auch in einer solchen fröhlichen Runde der Marketingabteilung des Unternehmens entstanden. Wie sonst, wenn nicht mit jeder Menge bewusstseinserweiternden Substanzen als Hilfsmittel, sollte man auf die Idee kommen, eine Dose Bier in die Stratosphäre zu schicken, um sie dort abzukühlen? Genau das aber haben die Brauer aus Las Palmas gestern getan.

Fast ein Jahr lang hatte man an der verrückten Idee gearbeitet. Am gestrigen Freitag war es dann soweit. Eine kleine grüne Bierdose konnte ihre aufregende Reise in den Weltraum antreten und damit Geschichte schreiben. Sie war die erste Blechdose, die unseren Planeten verlassen hat, um – an einem Ballon befestigt – in den Himmel aufzusteigen, wo man sie besonders gut gekühlt hat. Zwar gibt es für echte Liebhaber des Gerstensaftes nichts Frevelhafteres als ein warmes Bier, aber die Temperatur, die das Tropical auf seiner Reise erreichte, war dann doch etwas zu tief. Bei minus 70°C wird sich der Aggregatzustand des Gebräus derart verändert haben, dass zeitweise nur ein Bier am Stiel hätte serviert werden können. Da aber in einer Höhe von ca. 30 Kilometern keine durstigen Gäste zu erwarten waren, konnte man diesen Einwand getrost vernachlässigen.

Gestartet war die mutige Dose samt ihrem flüssigen Gold in La Aldea auf Gran Canaria. Ihr Transportmittel war ein Ballon, der während der Reise seinen Durchmesser von 2 Metern auf 16 Meter verachtfacht hat, bevor er zerplatzte. Begleitet haben den Aufstieg und Fall der Tropical-Bierdose zwei Kameras und ein GPS-Ortungsgerät.

Projekt verlangte viel Vorbereitung

So hat man die gesamte Aktion ausführlich dokumentiert, und auch die Lokalisierung der Dose war kein Problem. Dies war besonders wichtig, um das gekühlte Bier nach seiner Rückkehr aus der Stratosphäre orten zu können. Gelandet ist die Pionierin des Weltraumtourismus für Blechdosen etwa 70 Kilometer entfernt von ihrem Startplatz. 12 Kilometer östlich von La Isleta im Norden Gran Canarias konnte man das Bier in seinem unbeschädigten Behältnis am Ende aus dem Meer bergen.

Verfolgt hat man den tollkühnen Flug der kleinen Dose im Internet, wo die Brauerei einen Livestream mit den Bildern aus dem All zeigte. Unter den begeisterten Augen der Fangemeinde des Getränks stieg die Lata auf und veränderte ihre Farbe von grün zu blau, als sie die perfekte Temperatur von 6°C für den ungetrübten Biergenuss erreicht hatte. Unter den Beobachtern hatte es sogar Wetten gegeben, in welcher Höhe das Bier die ideale Kühlung erreicht. Der Gewinner wird dem Anlass angemessen einen Kängurusprung mit einem Fallschirm absolvieren können. Während des zweistündigen Events hat man im Beobachtungszentrum der Brauerei die anwesenden Zeugen dieses epochalen Ereignisses ausreichend mit Werbematerial ausgestattet, das dazu beitragen soll, die Kunde von der Innovationskraft des Unternehmens in alle Welt zu tragen.

Ein gelungener Marketingcoup war es allemal. Auch wenn die Initialzündung zu dieser Aktion zunächst als Schnaps- oder Bieridee abgetan worden ist. Am Ende hat sie zum Erfolg geführt, und dies sogar mit staatlicher Genehmigung, denn das ganze Spektakel musste man selbstverständlich als Weltraumflug bei der Luftüberwachung der AENA anmelden und genehmigen lassen. Die verantwortlichen Lotsen haben aber gerne die Starterlaubnis erteilt, vielleicht in der Hoffnung, das eine oder andere gut gekühlte Tropical serviert zu bekommen.