Diskussion um Inselbahn auf Gran Canaria neu entfacht

Vom Zentrum der Inselhauptstadt Las Palmas, dem Parque Santa Catalina, bis zum Strand von Meloneras in 40 Minuten. Was mit dem Auto nur unter konsequenter Missachtung der spanischen Straßenverkehrsordnung möglich wäre, könnte mit einer Bahnverbindung zur Alltäglichkeit werden. Für viele Beschäftigte in den Touristengebieten des Südens, die in Las Palmas leben, wäre die Bahn eine schnelle und bequeme Möglichkeit, ihren Arbeitsplatz sicher zu erreichen. Durch die Entlastung des innerstädtischen Verkehrs in Gran Canarias Kapitale könnten die obligatorischen Staus während der Stoßzeiten reduziert werden. Hinzu kommt eine Verminderung der Lärm– und Feinstaubbelastung der Umwelt und der Hauptstadtbewohner.

Konkrete Planungen seit 2009

Bereits im Jahr 2009 hat man die Agenda des Projektes erarbeitet, das bis 2018 fertig ist. Die derzeitige Inselregierung unter Führung der Partido Popular betrachtet den Bau der Bahn nicht als vordringlich. Trotzdem sind bislang alle vorgesehenen Schritte zur Realisierung eingehalten worden. Im Rahmen der Planung hat man jetzt ein neues Gutachten vorgelegt. Dieses verdeutlicht nochmals den Nutzen und die Vorteile der Schienenverbindung.

Nach den neuen Erkenntnissen würde der Bau dem krisengeschüttelten Arbeitsmarkt auf der Kanareninsel 18.000 neue Stellen bescheren. Eine Zahl, die nicht nur für den Archipel, sondern für ganz Spanien von Bedeutung ist. Während der Bauzeit von vier Jahren will man auf der 57,6 Kilometer langen Stecke 12.000 Tonnen Eisen verarbeiten. Sie machen allerdings nur einen kleineren Teil der Gesamtkosten von mehr als 1,5 Milliarden Euro aus. Mit dieser Summe, von der bisher niemand genau weiß, wie sie aufgetrieben werden soll, könnten neben der Trasse auch 11 Haltestellen mit der nötigen Infrastruktur bezahlt werden. Außerdem sieht der Kostenplan den Bau eines Windkraftparks vor, der die nötige Energie für das Transportunternehmen liefern soll. Auch Entschädigungszahlungen für den Ankauf und die eventuell notwendige Enteignung von Grundstücken sind in diesem Budget berücksichtigt.

Finanzierung noch immer unklar

Bislang sind vom Ministerium für Entwicklung bereits 18 der 24 Millionen Euro, die für die ersten Planungen vorgesehen sind, ausgegeben worden. Diese Gelder wären verloren, wenn die weitere Finanzierung nicht abgesichert und das gesamte Projekt eingestampft würde. Vor Beginn der Krise war die Übernahme der Gesamtsumme von der Zentralregierung in Madrid zugesagt worden. Auf Grund der klammen Kassenlage kann diese Zahlungszusage jedoch wahrscheinlich nicht eingehalten werden. Ob sich private Investoren finden lassen und ob diese überhaupt erwünscht sind, wird derzeit unter den Verantwortlichen kontrovers diskutiert. Zwar hat man den Zeitplan bislang weitgehend eingehalten, für die Zukunft kann dies wegen der ungesicherten Finanzierung jedoch niemand garantieren.

14,6 Millionen Passagiere im ersten Jahr

Die jetzt vorgelegte Studie geht davon aus, dass schon im ersten Jahr nach der Inbetriebnahme 14,6 Millionen Passagiere auf den „Tren“ umsteigen würden. Hauptgrund: Die Fahrzeit im Vergleich zum nicht schienengebundenen Verkehr auf der Gesamtstrecke ist 20 Minuten kürzer. Und das, bei gleichem Fahrpreis. Vom Startbahnhof Santa Catalina bis zum Vorort Jinamar soll die innerstädtische Trasse komplett unterirdisch verlaufen. Dadurch erreicht man eine enorme Zeitersparnis und entschärft das alltägliche Verkehrschaos in der Hauptstadt. Auch zwischen Telde und Ingenio sowie zwischen Tarajalillo und Playa del Inglés ist vorgesehen, die Bahn unter der Erde verkehren zu lassen.

Für die Beschäftigten der Tourismusindustrie im Süden Gran Canarias wäre die Bahnverbindung eine enorme Entlastung. Und auch für Inselbesucher, die dem Touristenplaneten rund um Maspalomas einmal entkommen und in die etwas andere Urlaubswelt in der Hauptstadt eintauchen möchten, wäre eine bequeme Verbindung zwischen den beiden wichtigsten Punkten der Insel sicher eine Alternative.

Um den Zeitplan einzuhalten, muss nun schnell eine Lösung für die Finanzierungsfrage finden. Sonst droht das Projekt ähnlich zu enden wie eines, das die deutsche Hauptstadt wohl noch einige Zeit beschäftigen wird: der Flughafen mit dem Kürzel BER.