Die Show geht zu Ende

Vor 42 Jahren eröffnete der Freizeitpark Sioux City. Damals noch eine der wenigen Attraktionen im Süden von Gran Canaria. Den ersten Touristen bot sich somit außer dem Bad in Sonne und Meer noch eine weitere Aktivität. Neben einem tollen Strand mit einer einzigartigen Dünenlandschaft hatten Playa del Inglés und Maspalomas zu dieser Zeit noch nicht viel zu bieten. Doch die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Immer neue Attraktionen, die stets noch etwas spektakulärer sein müssen, buhlen um die Gunst der Urlauber. Längst sind mit den einst so beliebten Westernshows keine Blumentöpfe mehr zu gewinnen, geschweige denn Besucher.

Zeichen der Zeit nicht erkannt

Wie so oft auf den Kanaren, wurden auch in Sioux City die Zeichen der Zeit zu spät erkannt. Solange sich noch genügend Touristen in den kleinen Freizeitpark im Barranco del Àgila verirrten, sahen die Betreiber keine Veranlassung, ihr Konzept zu überdenken und in die Zukunft zu investieren. Geld verdienen war angesagt. Dass die Touristen immer anspruchsvoller wurden und nach neuen Sensationen gierten, schien den Verantwortlichen entgangen zu sein. Der schnelle Profit war wichtiger als ein langfristig angelegtes Geschäftsmodell.

Dass Sioux City nun wohl bald schließen muss, war vorauszusehen. Zumindest wenn nicht doch noch ein großzügiger Geldgeber auftaucht. Schon in den letzten drei Jahren hatte sich abgezeichnet, dass der Park in der bestehenden Form keine Zukunft hat. Einige Gebäude im Westernstil, mittelmäßige Shows und ein bescheidener Tierpark sind nicht mehr ausreichend. Nun müssen auch die letzten 22 Angestellten des Parks um ihre Arbeitsstellen bangen. Sie stehen dann ebenso da wie ihre 30 Kollegen, die dieses Los bereits ereilt hat.

Diesmal haben die sechs Gesellschafter noch Geld aus ihren privaten Kassen genutzt. So konnten sie einen Teil der ausstehenden Löhne und Gehälter bezahlen. Trotzdem bleiben nach Angaben von Arbeitnehmervertretern noch etwa 430.000 Euro offen, für die es bislang keine Lösung gibt.

Äußerst fraglich ist, ob es mit einer Summe von 500.000 Euro, die von einigen Beteiligten genannt wird, tatsächlich möglich ist, das Überleben des Parks zu sichern. Mit ein wenig Farbe, um das in die Jahre gekommene Gesicht der Westernstadt etwas aufzuhübschen, dürfte es nicht getan sein.

Ziel der derzeitigen Bemühungen ist es, Sioux City solange nicht zu einer Geisterstadt werden zu lassen, bis sich ein finanzkräftiger Investor gefunden hat. Mit einer Antwort auf die Frage, ob dieser Retter wirklich in Sicht ist, halten sich die Verantwortlichen sehr zurück. Nähere Informationen sind dazu im Moment nicht zu bekommen.

Zahlreiche weitere Problemkandidaten

Sioux City ist jedoch nicht das einzige Problemkind aus den Anfangstagen des Tourismus im Süden Gran Canarias. Schon seit einigen Jahren stehen einstige Attraktionen, wie etwa das in den70er und 80er Jahren boomende Einkaufszentrum Cita in Playa del Inglés vor enormen Problemen. Geschäfte, Bars und Diskotheken können sich immer weniger gegen die moderne Konkurrenz in Maspalomas und Meloneras durchsetzen. Auch hier wurden in den vergangenen Jahren notwendige Investitionen verschlafen, was dazu führte, dass die Attraktivität der ehemaligen In-Location rapide nachließ und die Kunden permanent ausblieben.

Heute können viele der Geschäftsleute die trotzdem geblieben sind, nicht einmal mehr die für den Unterhalt des Komplexes notwendigen Gemeinschaftskosten aufbringen. Das Loch in der Kasse ist auch hier so groß, dass es fast unmöglich ist, die Anlage auf Dauer wenigstens in einem Zustand zu halten, der keine Gefahr für die Besucher darstellt. Der Vorschlag, das in die Jahre gekommene Objekt in bester Zentrumslage abzureißen und durch ein modernes Projekt zu ersetzen, steht schon länger im Raum. Bislang konnte man sich zu dieser Radikalkur allerdings nicht durchringen. Sollte man jedoch auch hier in absehbarer Zukunft nicht kräftig investieren, wird die Zeit das Problem von selbst lösen. Wenn auch die letzten Geschäfte ihre Tore schließen müssen, wird die Cita in ihrer heutigen Form endgültig der Vergangenheit angehören.

Das schnelle Geld war zu verlockend, um in den Boomjahren nötige Rücklagen zu bilden. Das rächt sich nun in vielen Fällen. Sioux City und Cita werden nicht die einzigen Problemfälle bleiben. Die Liste ist lang. Wer die Chancen auf ein langfristiges Engagement nicht rechtzeitig ergreift, wird sich später an die berühmt gewordenen Worte des ehemaligen Staatschefs der Sowjetunion Michail Gorbatschow erinnern müssen: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.

Foto von m-glimpz – flickr