Deutsche Reiseveranstalter helfen bei Hotelrenovierungen

Viele der Hotels auf den Kanarischen Inseln sind aus den Boomjahren des Tourismus. Einmal erbaut, sollten sie nur noch Geld einbringen. Auf Renovierungsmaßnahmen oder Anpassungen an die gestiegenen Ansprüche der Reisenden wurde in vielen Fällen verzichtet. Dass sich dies eines Tages rächen würde, war abzusehen. Heute gibt es auf den Inseln zahlreiche Etablissements, die den heutigen Bedürfnissen nicht mehr genügen können. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, der nur noch schwer zu durchbrechen ist. Die Touristen bleiben aus, da die Reiseveranstalter ihren Kunden die heruntergekommenen Anlagen nicht zumuten wollen. Dadurch fehlt erst recht das Geld, um die Herbergen wieder konkurrenzfähig zu machen. Es kommt aber noch eine Schwierigkeit hinzu. Wegen der derzeitigen Krise ist es für Spaniens Unternehmer geradezu unmöglich Kredite zu bekommen. Und wenn es doch gelingt, sind die geforderten Zinsen ein weiteres Hindernis. Da ist rentables Wirtschaften nahezu unmöglich.

TUI und Thomas Cook besonders aktiv

An dieser Stelle kommen die Reiseveranstalter ins Spiel. Gerade deutsche Reisegiganten wie TUI und Thomas Cook wollen sich jetzt an der Erneuerung der kanarischen Hotels beteiligen. Auf Grund der positiven Zukunftsaussichten als weiterhin äußerst beliebte Feriendestination wollen sich die Unternehmen jetzt langfristig Kapazitäten auf den Inseln zu günstigen Preisen sichern. Die Zinsen in Deutschland sind derzeit so günstig wie nie. Da fällt es den Reiseveranstaltern nicht schwer, an das Kapital zu kommen, das den Hotelbesitzern fehlt. Deshalb stellen jetzt die Deutschen den kanarischen Hoteliers die Mittel zur Verfügung. Mit denen können sie die in die Jahre gekommenen Häuser auf einen modernen Stand bringen. Besonders bei Apartments und Ferienbungalows besteht eine große Nachfrage, die man momentan nur unbefriedigend bedienen kann.

Win-Win-Situation

Zwischen 20.000 und 30.000 Euro kostet im Durchschnitt die umfassende Renovierung einer Ferienwohnung. Diese Gelder kommen jetzt von TUI oder Thomas Cook. Im Gegenzug verpflichten sich die Eigner und Pächter der Anlagen, den Investoren auf mehrere Jahre ihre Kontingente zu vertraglich festgelegten niedrigen Preisen anzubieten. Damit erreichen die Betreiber eine garantierte Auslastung, und die Reiseveranstalter profitieren von günstigen Preisen und der Sicherheit, ihren Kunden Hotels und Apartmentanlagen anbieten zu können, die den modernen Standards entsprechen.

Zufriedene Kunden und günstige Preise für die Deutschen, neu renovierte Anlagen und Auslastungsgarantien für die Spanier. Diese Vereinbarungen sind für Fernando Fraile, den Präsidenten des Verbandes der Tourismusunternehmer und Hoteliers auf den Kanaren (Federación de Empresarios de Hostelería y Turismo – Feht), ein idealer Weg, um dem Teufelskreis zu entkommen. Für ihn ist es eine typische Win-Win-Situation, bei der alle nur profitieren können. Nicht zuletzt auch die Touristen, die sich über Hotels freuen dürfen, die den Ansprüchen und Bedürfnissen der heutigen Zeit in vollem Umfang entsprechen. Und dies auch noch zu annehmbaren Preisen. Vorausgesetzt, die günstigen Konditionen werden auch weitergegeben. Für die deutschen Unternehmen ist es eine lohnende Investition in die Zukunft, die sich auf Grund der günstigen Zinssituation in Deutschland schnell bezahlt machen wird. Außerdem verdienen die Veranstalter derzeit ganz prächtig und können so einen Großteil der Gelder aus den eigenen Einnahmen generieren.

Günstige Finanzierungen nicht für alle

In den Genuss dieser günstigen Finanzierungsmöglichkeiten kommen jedoch längst nicht alle, die daran interessiert sind. Diejeningen, die ihre Hotels im Laufe der Jahre schrittweise renoviert und umgebaut und nicht vollends den Anschluss verpasst haben, werden nun für ihre Weitsicht nicht mit den verlockenden Angeboten der Reiseveranstalter belohnt, sondern müssen sich weiterhin mit schrittweise zu finanzierenden Erneuerungsmaßnahmen begnügen. Lediglich Besitzer von Anlagen, die von Grund auf renoviert werden müssen, können auf die Hilfe der Deutschen rechnen, da sie allein die enormen Anstrengungen nicht stemmen können. So kann sich unternehmerische Weitsicht manchmal eben auch negativ auswirken. Allerdings bleibt diesen Hoteliers der nicht unbeträchtliche Vorteil, ihre Unabhängigkeit von den Großen der Branche zumindest teilweise erhalten zu können.