Der etwas andere Karneval in Maspalomas

Seit etwa 10 Jahren kommt es jedes Jahr am 11. November am Strandkiosk Nr. 7, dem Chiringay, nahe der Dünen von Maspalomas, zu einem ganz besonderen Schauspiel. Für Menschen, die mit den Gepflogenheiten des „Carnaval Alemán“ , dem deutschen Karneval nicht vertraut sind, ist die Szenerie schon etwas gewöhnungsbedürftig. Das liegt nicht nur daran, dass man hier, wo sich eigentlich die Anhänger der Freikörperkultur tummeln, Menschen antrifft, die sich bekleidet präsentieren, sondern in erste Linie daran, wie sie das tun.

Tanzmariechen unter Nackten

Männliche Meerjungfrauen, Tanzmariechen, hawaiianische Blumenmädchen und andere bunte Typen mischen sich unter diejenigen, denen das Adamskostüm als Verkleidung durchaus ausreicht. Sie alle haben sich gestern an diesem Strandabschnitt versammelt, um eine gute alte deutsche Karnevalstradition, die Eröffnung der Session am 11.11. um 11 Uhr 11 auf die etwas andere Art zu feiern. Während die Jecken im fernen Köln, Düsseldorf oder Mainz wegen der kühlen Temperaturen und bedecktem Himmel im Herbst mehr oder weniger züchtig auf die Piste gehen, ist die Stimmung am Chiringay schon recht schwül. Und das liegt nicht nur an dem strahlenden Sonnschein, der das Feiern am Strand so angenehm macht.

Auch die meist männlichen Karnevalisten, die sich unter die Nackten gemischt haben, tragen mit ihren Kostümen und Aktionen dazu bei, dass die Stimmung ganz bestimmt nicht abkühlen wird. Der Karneval von Maspalomas hat so gar nichts zu tun mit den doch recht konservativen Sitzungen der deutschen Faschingsvereine. Hier ist das Fest eher geprägt von südamerikanischer Lebensfreude, wie sie etwa in Rio de Janeiro jedes Jahr zur Schau gestellt wird.

Auch wenn die Eröffnung des deutschen Karnevals auf Gran Canaria durch die meist schwulen Jecken sich eher an diesem südlichen Konzept orientiert, ist der 11.11. doch ein typisch deutsches Datum, das dem internationalen Publikum erst nähergebracht werden musste. Gestern waren es etwa 2.000 Feierwütige, die sich am Strand versammelt hatten. Und die kamen längst nicht alle aus den Hochburgen des Frohsinns in Deutschland, sondern ebenso aus Spanien, England oder Skandinavien, wo man mit dem 11. November alles Mögliche verbindet, nur nicht die Eröffnung der 5. Jahreszeit. Der traditionelle Termin ist aber ein willkommener Anlass, um das Leben und die Liebe ausgiebig zu feiern.

Canarios staunen über die etwas andere Art des Karnevals

Die meisten Canarios gucken schon etwas verdutzt, wenn sie die schrille Schar am Gestade erblicken, doch mittlerweile kennen sie die Schrulligkeiten und Besonderheiten, die die fremden Besucher auf ihre Insel bringen. Sie folgen jetzt dem bekannten Motto – Jeder Jeck ist anders – und akzeptieren die etwas andere Art zu feiern.

Nachdem die Sirenen, Blumenmädchen und Meeresgötter den Strand verlassen hatten, ging die Party in den einschlägig bekannten Lokalen im Yumbo und im Einkaufszentrum La Sandía weiter, und zwar weit über 11 Uhr 11 in der Nacht hinaus. Bis in die Morgenstunden floss so manches kühle Blonde durch die am Ende gar nicht mehr so trockenen Kehlen der ausgelassen feiernden Karnevalisten.