Der etwas andere Blick auf die Dünen von Maspalomas

Ein sechs Kilometer langer und bis zu zwei Kilometer breiter Streifen aus zerriebenem Muschel– und Korallenkalk ist der beliebteste Anziehungspunkt für Touristen im Süden Gran Canarias. Die Dünen von Maspalomas bieten einen einzigartigen Anblick, der mehr vermittelt als das Gefühl von Urlaub, Strand und Meer. Und in der Tat ist der Küstenstreifen im Feriengebiet der Kanaren mehr als nur ein Badestrand. Ohne die faszinierende Dünenlandschaft wäre die Gegend um Maspalomas, Meloneras und Playa del Inglés wohl nie zu der Bedeutung gelangt, die sie heute im Urlaubsgeschäft der Kanaren aufweisen kann.
Dünen Maspalomas
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Schönheit dieses unter Naturschutz stehenden Gebietes zu entdecken. Man kann sie per pedes erkunden, mit einem Boot vom Meer aus anlanden oder aber spektakulär aus der Luft auf sie hinabblicken. Nicht selten sieht man am Strand von Maspalomas Menschen aus kleinen Flugzeugen fallen. Mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde nähern sie sich dem größten Sandkasten des kanarischen Archipels.

Diese wagemutigen Entdecker sind nur wenige Kilometer weiter auf dem Flugplatz des Aeroclubs Gran Canaria mit einer kleinen Cessna gestartet. Bereits wenige Minuten nach Abflug haben sie ihr Ziel auf 3.900 Metern Höhe erreicht. Die gespannte Erwartung dessen, was kommt, überdeckt den fantastischen Blick auf die Dünen. Ein Tandemsprung mit einem erfahrenen Fallschirmspringer war für viele der erste Schritt in ein neues Hobby. Und auch diejenigen, für die es eine einmalige Erfahrung bleiben wird, vergessen diesen spannenden Moment des Absprungs wohl nie.

Wie ein Känguruhbaby hängt man fest verschnürt am Bauch eines Menschen, dem man sein Leben anvertraut hat. In der nicht unberechtigten Hoffnung, dass er einen heil auf die Erde zurückbringen wird. Meist ist dieser Mensch Paco Romero, der diesen Sport auf der Insel bekannt und populär gemacht hat. Der ehemalige Bankdirektor gründete vor vielen Jahren den Sportclub Skydive Gran Canaria. Seitdem hat er tausende Debütanten bei ihrem ersten Salto begleitet.

Der Fallschirmspringer Paco Romero bringt die Abenteurer sicher zu Boden

Seit 36 Jahren ist der heute 65-Jährige Präsident des Clubs aktiver Fallschirmspringer. In dieser Zeit hat er etwa 21.000 Sprünge absolviert. Eine Zahl, die den Glauben daran festigt, dass in seinen Armen ein Sprung ins Bodenlose zu einem durchaus kalkulierbaren Risiko mutiert. Auch wenn dem Neuling nach dem entscheidenden Schritt, dieser Glaube unter Umständen kurzzeitig verloren geht, wird er doch schon bald von einem Gefühl der Freiheit übermannt, das alle Zweifel überdeckt. Mehr als 2.000 Meter stürzt man in freiem Fall auf die Erde zu. Der weiche Sand der Dünen erwartet den Mutigen. Erfreulicherweise bremst der Fallschirm, der in einer Höhe von 1.500 Metern seine beruhigende Pracht entfaltet, den zu erwartenden Aufprall stark ab. Sodass man den grandiosen Blick über die Dünen, die Insel und das Meer genießen kann.

Bei gutem Wetter reicht die Sicht bis zu den Nachbarinseln. Sie kann so atemberaubend schön sein, dass sich so mancher gleich nach der Landung für den nächsten Sprung anmeldet. Der Adrenalinkick, der mit diesem Erlebnis verbunden ist, wurde schon für viele zu einer Droge. Einmal angefixt bleiben die Nebenwirkungen jedoch erfreulich gering. Lediglich die Geldbörse wird arg in Mitleidenschaft gezogen, denn der etwa zehn Minuten dauernde Sprung mit einem Tandem-Master kostet gut 200 Euro. Es ist jedoch eine Summe, die eine gute Investition in das ganz persönliche Erinnerungsbuch des Lebens ist.