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Ausflug in die Vergangenheit

Was für den Außenstehenden einfach wie eine alte Tür aussieht, ist für die Altertumsforscher auf Gran Canaria eine kleine Sensation. Bei den Ausgrabungsarbeiten im Bergdorf Temisas haben die Archäologen unter der Leitung von Julio Cuenca Verriegelungsmechanismen für Wohnhöhlen und Getreidespeicher entdeckt, die einen Einblick darüber geben, mit welcher Technologie die Ureinwohner der Kanaren ihr Hab und Gut sowie die Geschichte vor fast 1000 Jahren gesichert haben. Schon seit einiger Zeit sind die Forscher im Gebiet von La Audiencia damit beschäftigt, die Geschichte der Vergangenheit zu enträtseln. Bislang hat man jedoch lediglich schätzungsweise 10 – 15 % der Gesamtfläche bearbeitet.

Trotzdem haben die Archäologen hier schon einen tiefen Blick in das tägliche Leben einer Zeit werfen können, die uns ebenso rätselhaft wie faszinierend erscheint. Die jetzt vorgestellten Funde stammen vermutlich aus der Zeit zwischen 1170 und 1300.

Zahlreiche Artefakte gewähren Einblick in das Alltagsleben vor 1000 Jahren

Bevor die Spanier die Kanarischen Inseln entdeckt und erobert haben, waren die Guanchen, die wohl von Nordafrika auf die Inseln gekommen sind, die einzigen Bewohner dieser Region. Neben den Türen und Verriegelungen geben auch zahlreiche andere Artefakte Hinweise auf die Art und Weise, wie die Menschen damals ihr Leben gestaltet haben. Tröge aus dem Holz des Drachenbaums, Flechtwerk aus Pflanzenfasern und sogar alte Mühlen hat man auf dem bedeutendsten Grabungsfeld Gran Canarias schon gefunden. Da jedoch der größte Teil des prähispanischen Höhlendorfes noch unentdeckt ist, sind sich die Forscher sicher, dass sie auf diesem Grabungsfeld in Zukunft noch eine weitaus größere Zahl an interessanten Funden machen werden.

Totenstadt von Arteara

Wer sich für die ersten Bewohner der Kanarischen Inseln näher interessiert, kann an zahlreichen Stellen Gran Canarias beeindruckende Entdeckungen machen. Neben La Audiencia, wo man in den Höhlen Schlaf– und Lagerräume, aber auch Kochstellen entdeckt hat, sind auf der ganzen Insel verteilt weitere Zeugen der Vergangenheit anzutreffen.

Zu den interessantesten, aber wenig bekannten gehört sicherlich auch die Nekropole von Arteara. Nicht weit von den Touristengebieten des Südens entfernt, im Barranco von Fataga, ruhen in dieser Totenstadt die Ureinwohner der Insel. In der wohl größten Begräbnisstätte der Insel bekommt man einen Eindruck davon, wie die Altvorderen mit ihren Toten umgegangen sind. In den beeindruckenden Hügelgräbern, die sich auf einer Fläche von fast 14 Hektar ausbreiten, sind mindestens 800 Menschen bestattet. Manche Forscher gehen sogar von einer weitaus größeren Zahl aus. Das gesamte Gebiet war von einer Mauer umgeben und durch zahlreiche Wege innerhalb der Totenstadt erschlossen.

Wer diesen oder andere archäologisch interessante Orte auf Gran Canaria entdecken will, muss in den meisten Fällen selbst aktiv werden. Organisierte Touren zu den Zeugen der Vergangenheit werden nur selten angeboten. Lediglich die touristisch aufgearbeiteten Fundorte, wie etwa die Cuatro Puertas in Telde oder der Barranco von Guayadeque, wo einige der Höhlen noch heute bewohnt sind, werden von den Ausflugsagenturen angefahren.

Nicht nur auf Gran Canaria, sondern auch auf den anderen Inseln des kanarischen Archipels gibt es zahlreiche Orte, an denen man interessante Dinge über die ersten Menschen auf den Inseln entdecken kann. Nicht weit von Afrika, der Wiege der Menschheit, ist die Geschichte präsenter als man denkt.