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Auferstehung aus Ruinen?

Einst waren sie Orte der Wissenschaft und der Technik, heute sind sie nur noch baufällige Ruinen. In der Casa Amarilla in Puerto de La Cruz hat 1913 die Preußische Akademie der Wissenschaften das weltweit erste Zentrum für Primatenforschung gegründet. Die zweite Ruine mit geschichtlicher Relevanz ist die Casa de La Gordejuela, eine Pumpstation, die bei ihrer Inbetriebnahme Anfang des 20. Jahrhunderts nicht nur die erste Dampfmaschine auf Teneriffa beherbergte, sondern auch sonst mit zahlreichen technischen Besonderheiten aufwarten konnte. Das Gebäude, das auch als Casa de Agua von Los Realejos bekannt ist, befindet sich heute ebenfalls in einem extrem bedauernswerten Zustand.

Casa Amarilla

Eugen Teuber und Wolfgang Köhler waren die beiden deutschen Wissenschaftler, die 1913 auf Teneriffa die erste Forschungsstation für Primaten aufgebaut haben. Im Auftrag der Preußischen Akademie der Wissenschaften hatten sie ihre Basis auf die Kanarischen Inseln verlegt, weil sie ihnen für die Forschung an den Menschenaffen strategisch günstig zu liegen schien. Zum einen war da die Nähe zum afrikanischen Kontinent, auf dem die Objekte der Forschung, die Schimpansen, beheimatet waren, zum anderen die Verbindungen nach Deutschland, und nicht zuletzt auch das angenehme Klima für Mensch und Tier auf den Inseln.

Affen im Hotel

Zunächst waren die Forscher mit ihren sieben Schimpansen und zwei Orang Utans im heute nicht mehr existierenden Hotel Martiánez untergebracht. Obwohl sie dort als Touristenattraktion galten, war diese Lösung auf Dauer nicht tragbar, da die Tiere wohl doch recht laut waren und andere Gäste durch diesen Lärm gestört haben. Deshalb entschloss man sich, in ein Gebäude umzuziehen, in dem eine Belästigung anderer ausgeschlossen war. Die Casa Amarilla war dazu bestens geeignet. Bis 1918 hat man in dem Gebäude umfangreiche Forschungsaufgaben bewältigt, die dazu beigetragen haben, dass wir unsere nächsten Verwandten heute etwas besser verstehen. Unter anderem konnte man in dieser Zeit wichtige Erkenntnisse zur Kommunikation, zum Gefühlsleben und auch zu den kognitiven Fähigkeiten der Primaten gewinnen.

Von der Vorzeigeinstitution zur Ruine

Von dem einstigen Glanz wissenschaftlicher Forschung ist heute in der Casa Amarilla nicht mehr viel zu sehen. Geblieben ist nur eine schäbige Ruine, die, wenn es nach den Wünschen einer kleinen Gruppe von geschichtsbewussten Menschen auf Teneriffa gehen würde, bald wieder aufgebaut werden könnte. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen jedoch zunächst zahlreiche Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Wie immer bei solchen Projekten geht es um Genehmigungen, Zuständigkeiten und Verwaltungsvorgänge, die den Enthusiasmus der Initiatoren bremsen. Dabei könnten sowohl die Casa Amarilla, als auch die Casa de La Gordejuela, bei der es ähnliche Probleme gibt, nach ihrer Wiederherstellung attraktive touristische Anziehungspunkte sein. Als Wissenschaftsmuseum und als technisches Denkmal wären sie nicht nur eine wertvolle Informationsquelle für die Besucher, sondern auch wichtige Zeugen für die Geschichte der Insel und der Kanaren insgesamt.