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Ach wenn du doch geschwiegen hättest

Es war Freitagmorgen, als Armando Chiriqui mit seinem Lieferwagen zwischen Arucas und Teror unterwegs war und ihn ein Bekannter begleitet hat. Nun ist Armando ein freundlicher Mann, und deshalb unterhält er sich gerne mit seinen Mitmenschen und schweigt nicht unhöflich vor sich hin. Dieses Mitteilungsbedürfnis sollte ihn an diesem Tag teuer zu stehen kommen. Auf der leicht kurvigen Straße im Zentrum Gran Canarias haben ihn unvermittelt zwei Polizisten der Guardia Civil de Trafico aus Las Palmas auf ihren Motorrädern überholt und angehalten. Was zunächst wie eine ganz normale Verkehrskontrolle aussah, entpuppte sich am Ende jedoch als wahre Posse.

Nachdem die Beamten Papiere, Fahrer und Fahrzeug ausgiebig inspiziert und keinen Grund zu irgendwelchen Beanstandungen gefunden hatten, teilten die Polizisten dem verdutzten Fahrzeuglenker mit, dass man ihn angehalten habe, weil er sich unablässig mit seinem Passagier unterhalten und deshalb nicht mit der notwendigen Aufmerksamkeit am Straßenverkehr teilgenommen habe. Statt konzentriert auf die Straße zu blicken, habe er wiederholt seinen Gesprächspartner angeschaut, so der Vorwurf, der nun mit einem Bußgeld von 80 Euro geahndet werden müsse.

Obwohl sich Chiriqui keiner Schuld bewusst und es auch zu keinerlei Behinderungen anderer Verkehrsteilnehmer oder irgendwelchen gefährlichen Situationen gekommen war, wollte der 41-Jährige längere Diskussionen mit den Vertretern der Staatsmacht vermeiden und bezahlte das ungewöhnliche Strafmandat direkt vor Ort, was den geforderten Betrag, wie in Spanien allgemein üblich, um die Hälfte reduzierte, sodass schließlich 40 Euro aus der Tasche des Autofahrers in die Kassen der öffentlichen Hand wanderten. Dafür erhielt der geschröpfte Wagenlenker aber auch einen korrekt ausgefüllten Strafzettel, auf dem jeder lesen kann, welch ungeheures Verbrechen dem redseligen Armando vorgeworfen wird. Dieses kuriose Dokument wird im weiteren Verlauf der Geschichte noch eine zentrale Rolle spielen.

Strafzettel auf Facebook gepostet

Nachdem Armando Chiriqui den Zustand der extremen Verblüffung über das Geschehen überwunden und sich zu Hause ausgiebig Gedanken über das Verhalten der Polizisten gemacht hatte, traf er eine folgenschwere Entscheidung, die ihn zu einem mittelgroßen Medienstar und sein Schicksal zum viel diskutierten Thema im Internet und in den lokalen Gazetten gemacht hat.

Nachdem er sich bei einer befreundeten Anwältin rechtlichen Rat geholt hatte, entschloss er sich, den kuriosen Strafzettel auf seiner Facebookseite zu posten, obwohl er dort bislang nur wenig aktiv gewesen war. Seine rechtskundige Freundin hatte ihm geraten, keine weiteren offiziellen Schritte gegen die Beamten einzuleiten, da er zwar am Ende einen möglichen Prozess wohl gewinnen, ihn diese Genugtuung aber weitaus teurer zu stehen kommen würde als die bereits gezahlten 40 Euro. Deshalb verzichtete der geschröpfte Autofahrer auf eine rechtliche Würdigung der Vorfälle und wählte stattdessen den Gang in die virtuelle Öffentlichkeit, die sich des Themas sogleich mit Freude, Häme und Empörung angenommen hat. Seitdem ist Armando zum Helden all derer geworden, die auch schon einmal Bekanntschaft mit den merkwürdigen Ansichten einiger Polizisten gemacht und bislang ebenfalls geschwiegen haben.

Auf diese Art zum Medienstar geworden, hat Armando nun die Möglichkeit zu reden. Er unterhält sich mit Reportern, Netzaktivisten und anderen interessierten Menschen. Solange er dies nicht im Auto tut, hat er wahrscheinlich nichts zu befürchten.