250.000 Gläubige begleiteten die Virgen del Pino nach Las Palmas

Die Stadt Teror im Norden Gran Canarias gilt gemeinhin als das wohl wichtigste religiöse Zentrum der Insel. Jedes Jahr Anfang September pilgern unzählige Gläubige in die Basilika des Ortes, um der Schutzheiligen Gran Canarias, der Virgen del Pino, an ihrem Festtag einen Besuch abzustatten. Bis zu 200.000 Menschen verwandeln in dieser Zeit die kleine Stadt nicht nur in einen Ort des Glaubens und des Gebetes, sondern auch in einen Ort, an dem man recht gute Geschäfte machen kann. Die Fiesta der Virgen del Pino gehört zu den bedeutendsten religiösen Festen auf der Insel. Nur bei der sogenannten Bajada der Heiligen, die man in unregelmäßigen Abständen zelebriert, versammeln sich noch mehr Gläubige, um ihrer Patronin zu huldigen.

Seit man zu Beginn des 17.Jahrhunderts, im Jahr 1607, die Statue der Schutzpatronin zum ersten Mal in einer beeindruckenden Prozession von Teror in die Kathedrale von Las Palmas hat, ist diese Reise, meist zu besonderen Anlässen, immer wieder aufs Neue durchgeführt worden. Damals baten die Gläubigen nach einer langen Periode der Trockenheit um himmlischen Beistand und Regen. Heute sind die Wünsche an die Heilige wahrscheinlich anderer Art. So wie sich die Bitten an die Virgen verändert haben, so hat sich auch die Zahl derer, die an der Prozession teilnehmen, geändert. Wie viele Gläubige die Jungfrau 1607 nach Las Palmas getragen haben, ist nicht überliefert. Bestimmt waren es aber weitaus weniger als die etwa 150.000 Menschen, die bei der letzten Bajada im Jahre 2000 an der Prozession teilgenommen haben.

Letzte Bajada de la Virgen del Pino war im Jahr 2000

Nach 14 Jahren war es am gestrigen Samstag wieder so weit. Unter Beteiligung unzähliger Menschen – offizielle Beobachter sprechen von bis zu 250.000 Teilnehmern – wurde die Virgen del Pino am Morgen um 6.40 Uhr in der Basilika von Teror abgeholt, um die 25 Kilometer lange Reise in die Inselhauptstadt Las Palmas anzutreten. Nach mehr als 12 Stunden, gegen 18.00 Uhr, trafen die Madonna und ihre Begleiter in der Kathedrale in der Vegueta ein.

Trotz des nicht besonders freundlichen Wetters mit leichtem Regen haben die Menschen durchgehalten und sind zumindest ein Stück des Weges mit ihrer Patronin gemeinsam gegangen. Nach Angaben des Sprechers der Organisatoren ist die gesamte Prozession ohne Zwischenfälle verlaufen, sodass die verschiedenen Einheiten der Policia Local und der Nationalpolizei lediglich für die Absicherung der Strecke zu sorgen hatten. Eine derart große Teilnehmerzahl – ursprünglich war mit zirka 150.000 Menschen gerechnet worden – hatten jedoch weder die Ordnungskräfte noch die Kirchenoberen erwartet.

Gut zwei Wochen wird die Statue jetzt in der Kathedrale von Las Palmas verweilen, bevor sie die Rückreise in ihre Heimatbasilika in Teror antreten wird. Auch wenn sicherlich nicht alle, die an der Prozession teilgenommen oder ihren Verlauf beobachten haben, strenge Katholiken sind, so ist doch festzustellen, dass es scheinbar immer noch eine recht große Volksfrömmigkeit auf den Kanarischen Inseln gibt, die man im täglichen Leben vielleicht nicht gleich wahrnimmt. Bei näherer Betrachtung wird jedoch schnell klar, dass der Glaube auch heute noch bei vielen Menschen in Spanien tief verwurzelt ist. Religiöse Regeln werden bei der individuellen Lebensgestaltung zwar längst nicht immer eingehalten, Traditionen, besonders wenn sie mit Feierlichkeiten zusammenhängen, werden aber weiterhin bewahrt und verteidigt.